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11.7 Sagen vom Kumitzberg

Weithin sichtbar erhebt sich neben Obersdorf, bei Bad Mitterndorf im Hinterberger Tal, der rund hundert Meter hoch aus dem Tal aufragende Kumitzberg, den eine kleine Kirche krönt. In sehr alter Zeit, so berichtet die Sage, befand sich auf der Höhe des Kumitzberges ein großer, heidnischer Opferstein.

In der Zeit der Rauhnächte brauste aber auch das wilde Gjoad (=die wilde Jagd) mit seinem dämonischen Gefolge, vom Ennstal kommend, über den Kumitzberg.

Viele Jahrhunderte später lebte in Mitterndorf ein frommer Priester mit Namen Balthasar Marinz, der eine besondere Verehrung zum Leiden Christi und zur schmerzhaften Mutter Maria im Herzen trug. Um für diese Verehrung auch seine Pfarrkinder zu gewinnen, beschloß er, dem so günstig gelegenen Kumitzberg eine heilige Bestimmung zu geben: er wollte hier einen Kalvarienberg errichten.

Im Jahr 1713 wurde dieser Plan von Marinz gefaßt; und sehr bald bestärkte ein merkwürdiges Erlebnis den Seelsorger in seinem Vorsatz. Eines Tages nämlich ritt er auf seinem Pferd aus, um seinen Freund, den Pfarrer von Aussee, zu besuchen. Als er nun dicht an den Fuß des Kumitzberges herankam, ließ sich das Pferd plötzlich mit den Vorderbeinen auf die Knie nieder und neigte mehrmals wie in richtiger Ehrfurcht den Kopf. Der Priester war ganz ergriffen von dem Verhalten seines Schimmels und gelobte sich im stillen, die Errichtung des Kalvarienberges mit den fünf Leidensstationen und einer geräumigen Meßkapelle auf der Höhe nicht länger aufzuschieben.

Unter reger Anteilnahme und Mithilfe seiner Gemeinde konnte Pfarrer Marinz im Jahr 1717 die fertigen Kapellen weihen und auf den Altar der Meßkapelle das Gnadenbild, eine holzgeschnitzte, schmerzhafte Muttergottes aus dem 16. Jahrhundert, von Mitterndorf her feierlich übertragen. Das war ein großer Festtag für die gesamte Gegend. Wenige Jahrzehnte später war die Meßkapelle auf dem Kumitzberg für die zahlreichen Besucher bereits viel zu klein und so wurde schon 1766 der Grundstein zu der jetzt noch bestehenden barocken Wallfahrtskirche gelegt. Unter Pfarrer Matthäus Strennberger, einem gebürtigen Ausseer, konnte sie 1773 vollendet werden. Von diesem unermüdlichen Seelsorger erzählt eine Chronik, daß er nahezu täglich in höchster Schnelligkeit wie vom Geiste Gottes getrieben von Mitterndorf nach Kumitz rannte. Dabei rief er allen Menschen, die er am Weg traf, zu: "Leutln, kommt's mit nach Kumitz!" Pfarrer Strennbergers Eifer und eine Menge auffallender Gebetserhörungen machten das Gnadenbild am Kumitzberg im ganzen Salzkammergut bekannt. Zwei Prozessionen wurden gleich von Beginn an mit besonderer Feierlichkeit durchgeführt: die Wallfahrten der Holzknechte und die der Salzberghauer.

Auch in unseren Tagen ist die Kirche Maria Kumitz das Ziel vieler Pilger und regelmäßiger Wallfahrtsgruppen aus dem Ausseer Land, dem Ennstal und dem benachbarten Ischler Gebiet.

Auf einem Votivbild im Vorraum der Kirche kann man übrigens noch heute das am Fuß des Kumitzberges kniende Pferd und den darauf sitzenden priesterlichen Reitersmann betrachten.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch