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7.2 Die versunkene Stadt im Rödschitzmoos

Westlich von Bad Mitterndorf breitet sich eine große Moorebene aus, die bis auf wenige Stellen in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts trockengelegt wurde. Ein unter Naturschutz stehender noch nicht trockengelegter Teil heißt „Rödschitzmoos“ und dient noch heute zur Gewinnung des Torfmoores für die Heilanwendungen des Kurbetriebes im nahen Bad Heilbrunn. Westlich daran anschließend heißt es „in der Laasen“, und dort befindet sich ein merkwürdiger kleiner Teich namens „Pfandlbrunn“, der von einer starken artesischen Quelle auf seinem Grund gespeist wird.

Die Sage erzählt, dass die ganze Gegend einst ein großer See gewesen sei. Noch früher aber soll dort eine schöne Stadt gestanden sein. Weil es den Städtern aber viel zu gut ging, und sie im Wohlstand schwelgten, wurden sie mit der Zeit übermütig, lästerten Gott und lebten in Saus und Braus dahin. Eines Tages versank die ganze Stadt im Erdboden und die entstandene Mulde füllte sich sogleich mit Wasser. Das Rödschitzmoos ist der letzte Rest des einstigen Seebeckens. Noch heute soll man in einem großen Teich, der sich dort befindet und „der große Kohltümpfel“ heißt, eine Kirchturmspitze sehen können.

Die „Kohltümpfel“ waren Wasserlöcher im damaligen Moor, die mit gutem, frischen Wasser angefüllt waren. Sie sollen unterirdisch mit den Salzkammergut-Seen in Verbindung gestanden sein. So erzählt man, dass einmal einem Bauern ein mit Ochsen bespannter Wagen in ein solches Loch gefallen sei. Der Wagen samt den Ochsen soll im Hallstädter See wieder herausgekommen sein.“

Manchmal tanzen Irrlichter nachts auf dem Sumpfboden; das sind die Geister jener Menschen, die damals mit der Stadt untergegangen sind und nun keine Ruhe finden können.

 

Von sagenhaften Irrlichtern wird immer wieder von Mooren in ganz Europa berichtet. Man nimmt an, dass es sich dabei um Austritte von methanhältigem Sumpfgas handelt, das sich manchmal tagsüber durch Sonnenhitze entzündet und dann bis in die Nacht hinein mit der für Gas typischen bläulichen Flamme brennt. Ähnliche Phänomene sind von den früheren gemischten Mülldeponien bekannt, wo sich das methanhaltige Deponiegas an der Oberfläche oft selbst entzündet hat.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch