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4.2 Der Lindwurm vom Grimmingboden

Einst war im hintersten Grimmingboden oberhalb von Tauplitz, wo der Grimmingbach aus dem Herrenloch entspringt, ein ausgedehnter See, in dem ein gewaltiger Lindwurm hauste, der die ganze Umgebung in Angst und Schrecken versetzte.

Eines Tages entstand ein furchtbares Unwetter mit anhaltendem Wolkenbruch, so daß sich in kurzer Zeit das Seebecken mit riesigen Wassermassen füllte, die alles weithin überschwemmten. Schließlich durchbrachen die angesammelten Fluten mit furchtbarer Gewalt die wilde Felsenklamm der „Schlursen“ und rissen den Lindwurm mit. Tosend und schäumend wirbelte das Wasser zu Tal, entwurzelte Bäume, lockerte Felsen und schleuderte den hilflosen Lindwurm von einer Felsenwand zur anderen. Als die tobenden Wassermassen das breite Ennstal erreichten und nun ruhiger dahinflossen, blieb der tote Lindwurm bei Untergrimming liegen. Das Fleisch des Ungeheuers verweste ziemlich rasch, verpestete aber weithin die Luft. Die Knochen aber waren so fest, daß das riesige Skelett des Tieres noch viele Jahre lang erhalten blieb.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch