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5.8 Das goldene Kegelspiel von Krungl

Vor langer Zeit ging der Schröfl, der in Krungl ein Wirtshaus hatte, auf den Grimming und kam dort zu einer Kegelbahn, auf der neun Kegel und zwei Kugeln lagen. Verwundert betrachtete er den geheimnisvollen Ort, den er noch nie vorher gesehen hatte.

„Hm,“ dachte er, „da herauf steigt ja wohl kaum ein Mensch, um sich mit Kegelscheiben die Zeit zu vertreiben, die Kegelbahn ist wohl ganz umsonst da. Es ist sicherlich keine Sünde, wenn ich mir einen Kegel mitnehme; mein Eckkegel zuhause im Wirtshaus ist eh schon ganz kaputt.“

Und so nahm er einen Kegel mit sich, ohne etwas schlechtes dabei zu denken oder zu beabsichtigen. Zu Hause angekommen, warf er ihn hinter die Tür, wohin üblicherweise nach dem Spiel die Kegel gelegt wurden.

Am folgenden Tag wurde der Schröfl in aller Herrgottsfrühe durch lautes Klopfen an der Haustür aus dem Schlaf getrommelt. Er sprang eilig aus dem Bett, kleidete sich notdürftig an und öffnete dem sehr ungestümen, vermeintlichen frühen Gast das Haustor. Wie erstaunte er aber, als er ein kleines Männchen, das ganz in Braun gekleidet war und einen mächtigen, weißen Bart trug, vor sich stehen sah.

„Wo ist der Kegel, den du gestern auf dem Grimming droben gestohlen hast!?“ herrschte ihn das Männchen an. „Dort liegt er. Nimm ihn, wenn er dir gehört“, antwortete der verdutzte Wirt und blickte dabei nach dem Platz, wo er den Kegel hingelegt hatte. Dort aber funkelte und glänzte jetzt etwas wie eitles Gold. Das aber war der Kegel vom Grimming.

Das Mandl schob den Wirt zur Seite, nahm den goldenen Kegel auf und sagte: „Dein Glück, daß du geglaubt hast, der Kegel habe keinen Herrn! Rühre in Zukunft nichts mehr an, was nicht dein Eigentum ist!“ Nach diesen Worten ging das Bergmandl mit dem Kegel rasch dem Grimming zu und der Schröfl hat es nie wieder gesehen, auch die Kegelbahn hat danach niemand mehr gefunden.

 

Reste des ehemaligen Gasthauses Schröfl (ursprünglich Haus Krungl Nr. 1) sind heute noch als Teil des inzwischen vergrößerten Bauernhauses vlg. Stoffbauer erhalten, jetzige Hausnummer 25. Insbesondere die alte Rauchkuchl wird vom gegenwärtigen Besitzer Herbert Neuper im ursprünglichen Zustand des 19. Jahrhunderts erhalten. Auch Herr Neuper kannte diese Sage noch aus früheren Erzählungen.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch