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12.6 Die Katze rettet den Windisch

An einem Sonntag ging einmal der Schusterbauer ziemlich spät vom Wirtshaus heim. Anders als sonst nahm er diesmal den Weg über den Salza-Steg. Als er in der Mitte des Steges angekommen war, sprang plötzlich eine Katze auf ihn zu und setzte sich auf das Geländer des Steges. Aus ihren Augen flogen Funken, aus dem Maul kam weißer Dampf und schließlich begann sie ohrenbetäubend zu schreien. Der Schusterbauer sprang vor Schreck zurück, kehrte um und schlug den gewohnten Weg zu seinem Haus ein. Als er gerade beim Zenzen vorbeirennen wollte, stolperte er über einen Menschen, der auf der Straße lag. In diesem Augenblick hörte er schon den Postwagen kommen. Er vergaß seine Furcht und riss den Menschen zur Seite. Da rollte auch schon der Postwagen vorbei. Jetzt machte der Schusterbauer Licht und da erkannte er den Geretteten: es war sein Nachbar, der Windisch. Er war derart betrunken, dass er weder gehen noch stehen konnte. Wäre der Schusterbauer nur einen Augenblick später gekommen, so wäre der Windisch vom Postwagen überfahren worden. Offenbar hat ihn nur seine Katze gerettet, denn es war seine Katze, die den Schusterbauer am Steg aufgehalten hatte.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch