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10.6 Wie man Hexen sehen kann

Um Hexen sehen zu können, braucht man nur einen Schemel, der aus neun Holzarten gemacht ist. Dieser muss aber unter neun Gebetläuten gezimmert worden sein, sonst nützt er nichts. Diesen Schemel nimmt man, stellt ihn während der Mette in der heiligen Nacht hinter den Altar und setzt sich darauf. Die Hexen kommen jetzt alle an einem vorbei und jede will den Schemel haben. Gibt man ihn her, ist man verloren; denn die Hexen zerreissen einen. Solange man jedoch den Schemel hat, haben sie keine Macht über einen. Leichter und einfacher geht die Sache noch, wenn man sich mit einem Heubüschel, das man auf einem Kreuzweg gefunden hat, in der gleichen Zeit hinter den Altar stellt. Wenn die Hexen kommen, will jede etwas Heu haben. Lässt man nur einen Halm aus, ist es um einen geschehen.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch