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4.5 Wie die Grimmingscharte entstand

Ein besonderer Blickfang im mittleren steirischen Ennstal ist nicht nur der Grimming als ganzes, sondern auch seine „Scharte“, eine markante Unterbrechung der sonst geradezu gugelhupfähnlichen Bergform. Zur Entstehung dieser Grimmingscharte erzählte man sich früher folgendes:

Der Kulmbauer war dafür bekannt, daß auf seinen Äckern die Krautköpfe größer und schöner gediehen als anderswo. - Das muss eines Tages auch im Ennstal, beim Moar im Steinkeller (zwischen St. Martin und Diemlern) dem riesigen Ochsen zu Ohren gekommen sein. An einem Spätherbsttag war die Neugier des Riesen-Ochsen so groß, daß er über den Grimming hinüberschauen wollte, ob denn beim Kulmbauern wirklich so große Krautköpfe stünden. Und tatsächlich erspähte er einen gewaltig großen Krautkopf, dass ihm das Wasser im Maul zusammenlief. Der Krautkopf war aber leider so weit weg, daß er ihn nicht erreichen konnte. Da wetzte er am Grimmingrat, bis dieser niedriger wurde. Und je niedriger dort der Grimming wurde, umso größer wurde die Gier des Ochsen nach dem Krautkopf. Endlich hatte es der Ochse geschafft. Er hatte vom Felsen soviel weggewetzt, daß er den Krautkopf erreichen und auffressen konnte. Durch dieses Wetzen entstand die heutige Grimmingscharte.

Aber auch beim Duckbauern auf der Hinterberger Seite des Grimming gab es einen ebenso riesigen Ochsen. Der reckte seinen Hals über den Grimming und suchte so lange, bis er die die übermäßig großen Krautköpfe des „Moar im Steinkeller“ fand und diese fraß.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch