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5.23 Die Entdeckung von Heilbrunn

Ein Jäger verfolgte einst ein angeschossenes Reh. Plötzlich verlor er das Tier aus den Augen. Enttäuscht wollte er die Verfolgung aufgeben, da geriet er in ein dichtes Gebüsch. Er brach durch das Gesträuch und nun sah er das Reh, wie es sich in einer Wasserlacke seine Wunde wusch. Als es den Jäger erblickte, wollte es aufspringen und das Weite suchen, jedoch ermattet sank es nieder. Der Jäger hob das Tier aus dem Wasser, und jetzt bemerkte er, dass die Quelle warm, ja beinahe heiß war. Er machte aus seiner Entdeckung kein Geheimnis, sondern erzählte überall herum, welchen Fund er gemacht hatte. Bald kamen Leute, die mit allerlei Leiden behaftet waren, zur neuentdeckten Quelle, und viele fanden Heilung oder Linderung ihrer Leiden. Der Ruf von der Heilkraft dieses Wassers verbreitete sich immer mehr. Man erbaute bei der Quelle ein kleines Badehaus, und nannte das Bad „Heilbrunn“.

Das Bad im Wald wurde aber schon nach kurzer Zeit der Tummelplatz für die Buben der nächstgelegenen Orte. Ganze Tage lang trieben sie sich dort herum, badeten sich gemeinsam, verübten allerlei schändliche Streiche und versteckten den Erwachsenen, wenn sich diese badeten, heimlich die Kleider. Ein besonderes Vergnügen machten sie sich daraus, alte, gebrechliche Personen mutwillig zu necken. Die Strafe des Himmels blieb denn auch nicht aus. Als man das Gebäude vergrößern und die Quelle besser eindämmen wollte, versickerte ein Teil des heißen Wassers und kaltes trat an seine Stelle. Heilkräftig ist aber die Therme noch immer, und häufig findet sie Anwendung, besonders bei Hautausschlägen. Heute steht dort ein großes Hallenbad mit Hotel und jährlich kommen tausende Gäste aus aller Welt zur Kur.

 

Im Bereich des Heilbades Heilbrunn gibt es zahlreiche Thermalquellen. Einige liegen unter dem heutigen Stauseeniveau, andere direkt in der Salza, einige schwefelhaltige Quellen befinden sich am Hallbach, 1,3 km oberhalb der Mündung in die Salza, weitere Quellen befinden sich am Krunglerbach oberhalb des Heilbades, einige davon wurden im Zuge von Regulierungsarbeiten verschüttet. Das heutige Heilbad wird aus Tiefenbohrungen gespeist. Die ursprünglichen Thermalquellen waren zur Zeit der römischen Okkupation des Königreiches Norikum bereits bekannt, wie Funde beweisen, möglicherweise auch schon viel früher.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch