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4. Aus der Vergangenheit von Ligist.

Die Entstehung des Marktes Ligist ist eng verknüpft mit den Schicksalen der Burg Ligist, die seit 1818 Ruine ist. Ursprünglich war die Gegend Eppensteiner Besitz, kam dann an die jüngeren Aribonen, die den weiten Ligisterwald 1175 dem Kloster Rein (bei Gratwein) schenkten.

Ein Ritter von Ligist (Lubgast, Liubgast) wird 1224 in einer Urkunde genannt, so daß man annehmen kann, daß die Burg schon früher erbaut wurde. Als 1459 der letzte Lubgaster starb, wurden die Edlen von Saurau — später Grafen — alleinige Besitzer der Herrschaft und behielten sie bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1846. Die Saurauer müssen jedoch schon früher wenigstens Mitbesitzer gewesen sein, weil eine Grabplatte in der Ligister Pfarrkirche — Ottlio von Saurau gewidmet — aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (1313 bis 1332) stammt; weiters sind noch Grabsteine der Saurau aus 1520, 1532 und 1620 vorhanden. Die Saurausche Gruft auf der Südseite der Kirche enthält dreizehn große und gleichviel kleinere kupferne Särge dieses Geschlechts aus der Zeit von 1620 bis 1846. Auf die Saurauer folgten die Grafen Goeß, die den ganzen Besitz 1930 an den Maltheser-Ritterorden verkauften.

Zu Füßen der Burg entwickelte sich in ihrem Schutz schon frühzeitig die gleichnamige Ortschaft, die 1464 vom Kaiser Friedrich III. Marktrechte erhielt.

Im 16. Jahrhundert bekannten sich die Bewohner samt der Herrschaft zur lutherischen Lehre, und die Burgkapelle wurde ein protestantisches Bethaus. Die Gegenreformation (1600) machte die Ligister wieder katholisch, die Burgkapelle jedoch galt als „entweiht'', wurde aufgelassen und im ersten Stock eine neue Kapelle eingerichtet. Die Pfarrkirche ist ein vorwiegend gotischer Bau, das Gründungsjahr ist jedoch nicht bekannt; seit 1273 besteht hier angeblich die Pfarre.

Schon 1797 wird die Burg als baufällig geschildert, war aber noch im Herbst und Winter 1809/10 von einer französischen Abteilung besetzt, die über die Pack gekommen war. Die Franzosen brandschatzten nicht bloß den Markt, sondern auch die ganze Umgebung, verheizten im Schloß die Fußböden, die Möbel, überhaupt alles, was brennbar war, zerschlugen die Fenster und Türen und hausten so arg, daß nach ihrem Abzug das Schloß eine Ruine war. 1818 wurde es dem Verfall preisgegeben. Der große Meierhof zu Füßen des Schlosses wurde als Wohnhaus eingerichtet und bezogen.

In der Nähe von Ligist — auf dem Dietenberg — stand um 1050 die gänzlich verschwundene Dietenburg, eine Eppensteiner Fluchtburg.

Auf dem nahen Wartenstein (806 Meter) war eine wichtige Kreidfeuerstation. Wenn Feinde unser Heimatland bedrohten, wurde auf dem Gipfel ein mächtiges Feuer entzündet, ein Zeichen für die Bewohner, daß Gefahr im Anzug war.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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