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5. Sagen aus Ligist und Umgebung.

Der glühende Schab.

Im Juni des Jahres 1897, zur Zeit der Kirschenreife, gingen zwei Bauern an der Ruine Ligist vorbei. Dort stand ein stattlicher Kirschbaum, übervoll mit reifen Früchten behängen. Den beiden Männern gelüstete es nach den schönen Kirschen, die, vom Mondlicht beschienen, verlockend vom Baum herableuchteten. Kurz entschlossen stiegen sie auf den Baum hinauf, als es gerade vom Ligister Kirchturm Mitternacht schlug. Trotz aller Bemühungen gelang es ihnen nicht, auch nur eine einzige Kirsche zu pflücken. Auf einmal hörten sie ein heftiges Rauschen und ein glühender Schab flog funkensprühend aus der Ruine heraus und über den Kirschbaum hinweg nach dem gegenüberliegenden Dietenberg, wo er verschwand. Der eine Bauer rutschte vor Schreck sogleich vom Baum herab, der andere aber blieb furchtlos oben sitzen und griff nun beherzt nach den süßen Früchten, die er sich gut schmecken ließ. Als der Herabgerutschte dies sah, stieg er nochmals hinauf, und beide konnten nun Kirschen essen, soviel sie wollten.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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