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27. Aus dem oberen Kainachtal.

Ruine Hauenstein

Im innersten Winkel des oberen Kainachtales, zu Füßen der Roßbachalpe, liegt auf einer 938 Meter hohen Felskuppe die Ruine der alten Burg Hanstein, auch Hauenstein genannt, die der Landesfürst im 13. Jahrhundert dem Edelgeschlecht der Hanauer verliehen hatte. Die Burg war so angelegt, daß sie die wichtige Straße über den Gleinalmsattel ins obere Murtal sperren konnte. Den Hanauern folgten die Laun, dann war der unglückliche Greißenegger Inhaber; 1483 erwarb das Stift Lambrecht die Feste, dann die Stadt Judenburg und zuletzt wurde sie mit der Herrschaft Piber vereinigt. — Die Ringmauer ist noch erhalten, und durch drei Tore kommt man in den innersten Hof, wo an höchster Stelle das dreistöckige Turmhaus (Wohnturm) steht. Schon bald nach 1500 wird die Burg als „öde'', d. h. unbewohnbar, geschildert.

Eine Sage behauptet, daß die Burg Hanstein mit der Burg Klingenstein im Sallatal durch einen geheimen unterirdischen Gang verbunden gewesen sei, was aber wegen der allzu großen Entfernung (13 km Luftlinie!) ganz unmöglich ist.

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Ein Bauerndirndl ließ eines Tages ihre Schafe vor der Ruine grasen. Plötzlich kam eine altertümlich gekleidete Frau aus dem Burgtor heraus und hatte Nüsse in der Schürze, die sie dem Mädchen schenken wollte mit den Worten: „Greif zu, sie gehören dir!'' Das Mädchen aber fürchtete sich, nahm die Gabe nicht an und versteckte sich. Da jammerte die Frau laut: „Törichtes Kind, du hättest mich erlösen können und wärst überdies reich geworden, denn die Nüsse hätten sich in Gold verwandelt. Nun muß ich wieder viele hundert Jahre warten, bis mich ein tapferes Mädchen erlösen wird.'' — Mit diesen Worten verschwand die Gestalt heftig weinend im alten Gemäuer.

Am Oswaldbach, eine gute Gehstunde vom Dorf Kainach entfernt, steht die Hankersäge. Die Leute dort nennen das Bächlein auch „Silberwasserl". Im kristallklaren Wasser soll ein silberglänzendes Fischlein herumschwimmen, das in seinem Körper ein Silberringlein stecken hat. Wer dieses Ringfischlein fängt, kann sich den Schatz in der Ruine Hauenstein holen.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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