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17. Sagen von der Pest.

Die Pestwolke auf der Stubalpe.

Auf der Stubalpe (Rappoldkogel) soll es früher einmal ein tiefes Loch gegeben haben, aus dem zuweilen ein Rauchwölkchen aufstieg. Jedesmal, wenn sich das Wölkchen zeigte, brach in der Gegend die Pest aus; die Leute nannten das Wölkchen die „Pestwolke".

Einmal zeigte sich wieder die Pestwolke, und wirklich brach gleich darauf die furchtbare Krankheit aus und raffte viele Menschen dahin. Nun beschlossen die Leute, dieses Unglücksloch am Johannistag zu verschütten. Scharenweise kamen sie beim Loch zusammen, stellten sich betend ringsum im Kreis auf und warfen Steine, Erde und Grasbüschel hinein. Endlich war das Loch verstopft, und nun pflanzten sie einen Baum darauf. Dann zogen sie lustig singend und hoffnungsvoll nach Hause. — Seit diesem Ereignis hat sich auf der Stubalpe nie wieder das Pestwölkchen gezeigt, und die Gegend blieb von der Seuche verschont.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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