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14. Nüsse werden zu Münzen.

Im Jahre 1633 wurde das Schloß Greißenegg vom Grafen Johann Siegmund von Wagensberg käuflich erworben und blieb dann durch fast 250 Jahre im Besitz seiner Nachkommen.

In dieser Zeit wurde einmal auf der Burg Ligist ein fröhliches Fest gefeiert, das bis in die Nacht hinein dauerte. Unter den Gästen war auch ein Graf Wagensberg, der mit seinen Begleitern eine Stunde vor Mitternacht seine Kutsche bestieg, um nach Greißenegg heimzukehren. Als die Gesellschaft zur damals schon halb zerfallenen Burg Krems kam, meinte jemand, daß darin Geister umgingen. Der Graf lachte dazu, ließ aber doch den Wagen halten und fragte spöttisch, ob sich jemand getraue, die Burg zu betreten. Diensteifrig sprang sein Leibjäger vom Kutschbock und eilte, bemüht zu zeigen, daß er keine Furcht habe, in die unheimliche Burg. Nachdem er mehrere finstere Gänge und leere Stuben durchschritten hatte, stieg er über eine Treppe ins oberste Stockwerk. Endlich kam er in ein vom Mondlicht schwach erhelltes Gemach; dort stand in der Mitte eine geisterhafte Frau in altertümlicher Tracht, die sich vergebens bemühte, eine schwere Truhe, bis zum Rand mit Nüssen gefüllt, wegzuschieben. — Der Jäger starrte erschrocken die seltsame Erscheinung an, doch als die Frau durch Zeichen zu verstehen gab, daß er ihr helfen solle, griff er herzhaft zu und schob die Truhe in eine Ecke. Als er sich wieder aufrichtete, war das Gespenst verschwunden. Schnell griff der Leibjäger in die Truhe und stopfte Nüsse in seine Taschen: dann eilte er aus der Burg. Unterwegs erzählte er sein Erlebnis dem Grafen und den übrigen Herren, wurde aber nur weidlich ausgelacht. In Greißenegg angekommen, griff er in seine Taschen, um der Gesellschaft die erbeuteten Nüsse zu zeigen. Wie erstaunt waren alle, als der Jäger zwar keine Nüsse, wohl aber glänzende, altertümliche Münzen aus seinen Taschen zog, die alle kopfschüttelnd betrachteten.

Seit dieser Zeit hat sich die geisterhafte Frau in der Burg Krems nie mehr gezeigt.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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