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5. Sagen aus Ligist und Umgebung.

Der Teufel holt den Moserweber.

Vor vielen Jahren war der Besitzer „Moserweber“ in Oberwald tief in Schulden geraten. Als Haus und Hof versteigert werden sollten, wußte sich der Moserweber nicht anders zu helfen, als daß er seine Seele dem Teufel verschrieb, der ihm dafür einen Sack voll Dukaten geben mußte. Nun konnte der Bauer alle seine Schulden bezahlen. Eines Abends kam ein kleiner Bub ins Haus und wollte mit dem Moserweber Karten spielen. Als beide beim Tisch saßen, und die Bäuerin gerade hinausgegangen war, sagte der fremde Bub halblaut: „Ich bin der Teufel und werde dich bald holen!“ — Ein paar Wochen später erkrankte der Bauer schwer und starb. — Als die Träger den Sarg mit der Leiche aufheben wollten, kam ein scheußlich grinsender Teufel daher, nahm die Truhe auf seine Schultern und flog mit ihr davon. Sprachlos vor Entsetzen schauten die Leute dem Teufel nach. Plötzlich hörten sie heftiges Weinen und lautes Jammergeschrei; aus dem Teufel mit dem Sarg war eine feurige Kugel geworden, die nun heulend durch die Luft flog und verschwand.

Im Flur des Hauses Moserweber ist in einem Bild dieses Ereignis festgehalten.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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