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5. Sagen aus Ligist und Umgebung.

Die Hasenjagd am Heiligen Abend.

Der alte Höschpel vom Satzberg wollte an einem Heiligen Abend Hasen jagen. Etwa hundert Schritte unterhalb des Hauses war in einer alten Mauer eine Nische, in die er sich setzte und mit gespanntem Gewehr wartete. Bald kam vom nahen Wald ein munteres Häslein übers Feld gehoppelt, das der Bauer auch schoß. Ehe er es noch holen konnte, kam ein zweiter Hase aus dem Wald, der ebenfalls erschossen wurde. Gleich darauf erschienen zahlreiche Hasen auf dem Feld — auch die geschossenen standen auf und alle liefen auf den Jäger zu. Diesem stiegen vor Angst die Haare zu Berg, und eiligst sprang er den Hang hinauf, riß die Tür seines Hauses auf und schlug sie krachend hinter sich zu. Schon waren auch die Hasen da, und als sie die Tür verschlossen fanden, wollten sie zu den Fenstern hinein. Da schlug es ein Uhr nach Mitternacht, und die Hasen verschwanden. Nie mehr ging der Höschpel in der Heiligen Nacht auf die Hasenjagd.

Quelle: Was die Heimat erzählt, Die Weststeiermark, Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Herausgegeben von Franz Brauner. Steirische Heimathefte. Graz 1953.
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