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Die heilige Ehrentraud
Als nun der heilige Rupert hievon Kenntnis erhielt, so erbaute er durch hilfreiche Hände der Salzburger und durch die Freigebigkeit des bayerischen Herzogs Theodo und dessen Gemahlin Regintrud das so schöne Kloster Nonnberg und weihte die Kirche zu Ehren der Mutter unseres Erlösers in eigener Person ein. Den Kloster - Nonnen gab er die Regel des heiligen Benedikt, und Ehrentraud setzte er als ihre Äbtissin ein. Dieses Kloster wurde in der Folge von dem Herzoge Theodo III. und seinem Sohne Theodobert reichlich dotiert und gehört unter die ansehnlichsten Stiftungen von bayerischen Herzögen. Ehrentraud leuchtete nicht nur in allen Tugenden als Ordensvorsteherin hervor, sie vergaß auch dabei nicht die Pflichten der Menschheit. Sie spendete den Armen, bekleidete sie, und wenn sie Kranker und Preßhafter ansichtig wurde, so bewegte sich ihr ganzes Innerstes. An Menschen, welche mit den häßlichsten äußern Krankheiten befallen waren, legte sie selbst Hand an, und Kloster Nonnberg war eine wahre Zufluchtsstätte für Arme und Kranke. Als die Hochbetagte einmal während der Nacht recht innig für die Seelenruhe ihres Oheims betete, erschien ihr dieser und sprach: "Komm, teure Schwester, in das Reich, für das du schon lange gearbeitet hast." Sie sagte Gott Dank für diesen himmlischen Trost, fing alsbald an zu kränkeln, bereitete sich eifrigst zum Sterben und entschlief am 30. Juni selig im Herrn. Sie liegt in einer Kapelle in der Klosterkirche Nonnberg begraben. An hohen Festtagen werden ihre Gebeine in einem silbernen Sarge zur öffentlichen Verehrung ausgestellt. Quelle: Nikolaus Huber, Fromme Sagen und Legenden,
Salzburg 1880, S. 42 f, zit. nach Leander Petzold, Sagen aus Salzburg,
München 1993, S. 255. |