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Wie die Weitmoser mächtig wurden

Davon erzählt die Sage folgendes: Erasmus Weitrnoser, ein schlichter Landmann zu Gadaunern im Gasteinertale, hatte den Einfall, das Gold dort zu suchen, wo es einzig und allein zu finden war, in den Bergen selbst. Er war sich seiner Sache wohl bewußt und überzeugt, daß er sein Ziel erreichen werde. Allein, da er immer tiefer und tiefer grub, um endlich an die goldhaltenden Gänge zu kommen, erschöpfte er schließlich seine Geldmittel und fand niemanden, der ihm für sein Unternehmen, das vielen mehr als gewagt schien, Geld vorgestreckt hätte.

So saß er am heiligen Ostertage traurig über sein Mißgeschick in Gedanken versunken da und wußte weder Rat noch Hilfe. Er hatte nicht einmal soviel Geld im Hause, daß er sich und den Seinen für den Festtag ein Stück Fleisch zum Mittagstisch gönnen konnte. Dies schmerzte seine Hausfrau gar sehr, weil sie der Gatte dauerte, der für seine Familie ja alles hingegeben hatte. Da sie nichts ihr eigen nannte, wofür sie Geld bekommen hätte, so opferte sie das Liebste, was sie besaß, ihren Brautschleier, ging fort und verkaufte ihn insgeheim. Für den Erlös schaffte sie Fleisch ins Haus und erübrigte auch noch einen Pfennig für ihren Gatten, daß er noch ein Schöpplein trinken und seinen Gram wenigstens etwas vertreiben konnte.

Die Geschichte mit dem Schleier verbreitete sich noch am selben Tage im Dorfe und in derselben Woche im ganzen Tale, bis sie endlich auch dem Erzbischofe zu Salzburg, Leonhard von Keutschach, zu Ohren kam. Jedermann rühmte die Tugenden der Weitmoserin, die Ehrlichkeit und den Fleiß ihres Gatten.

Da beschied der Erzbischof den Weitmoser zu sich und streckte ihm eine große Summe Geldes vor, auf daß er das von ihm begonnene Werk fördern und vollenden könne. Die eingestellte Arbeit ward wieder aufgenommen, die Grube wieder eröffnet und weiter geführt. Und ehe noch das entlehnte Geld vollends verwendet war, kam edles Erz zutage. Bald hatte es des Goldes kein Ende mehr und war Erasmus Weitmoser zum reichsten Manne des Tales geworden.

Sein Sohn Christof war noch glücklicher im Bergbau als er und wurde so reich, daß er jeder seiner Töchter, um deren Hand sich Grafen und Ritter stritten, wie um seine Freundschaft selbst Fürsten warben, als Heiratsgut viele Tausende von Gulden geben konnte. Seinen drei Söhnen hinterließ er eine volle Million funkelnder Goldgulden.

Quelle: R. von Freisauff, Salzburger Volkssagen, Bd. 2, Wien/Pest/Leipzig 1880, S. 420 f, zit. nach Leander Petzold, Sagen aus Salzburg, München 1993, S. 203.