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Der Tod in der Krausenau Wenn man von Neukirchen durch die Dürnbachau nach Rosental geht, kommt man an ihrer Westseite auf eine große Wiese. Die Hälfte dieses Feldes war bis in die Achtziger-Jahre eine Au mit Erlen, Birken, Brombeer- und Hagebuttensträuchern: die Krausenau. Vor vielen, vielen Jahren ging der Krausenbauer im Spätherbst noch
einmal auf seine Alm im Trattenbachtal, um nach dem Rechten zu sehen bevor
der Winter kam. Die Tage waren schon kurz und als er vom Rossberg wieder
heimwärts wanderte zu seinem Hof in Rosental, schien schon der Mond.
Er ging weglos durch seine Au, und das dürre Laub raschelte unter
seinen Füßen. Da bemerkte er eine seltsame Gestalt, die, in
einen dunklen Umhang gehüllt, mit einer Sense durch die welken Blätter
mähte und sie dabei auf einen Haufen zusammenschob. Der Bauer dachte:
"Was ist denn das für ein Spinner?" Den wollte er aus der
Nähe sehen. Und jetzt konnte er auch verstehen, was die Gestalt murmelte:
"Jeds Blattl a Mensch, jeds Blattl a Mensch..." Der Mäher
richtete sich auf - und der Kraus stand vor einem Knochengerüst!
Als der furchtlose Bauer nun sah, dass er den Tod vor sich hatte, erschrak
er doch. Er fragte: "Bin i a dabei?" Mit seiner knöchernen
Hand hob der Sensenmann ein Blatt auf, legte es zuoberst auf den Haufen
und gab zur Antwort: "Ja, Kraus! Des Blattl bist du!" Quelle: Helene Wallner, Sagensammlerin und -führerin, Emailzusendung vom 3. Mai 2005 |