SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Salzburg >> Lungau

   
 

Der Zauberer-Jackl

Der berüchtigste Hexenmeister Salzburgs im 17. Jahrhundert war der Zauberer-Jackl. Er war ein sehr geheimnisvoller Mensch, der überall und nirgends sich aufhielt und von dem man nicht wußte, wohin er ging und woher er kam. Durch seine Zauberkünste war er überall bekannt und genannt, und es wurde von ihm im Volke gar wunderliches Zeug erzählt. Viele wollten des öfteren gesehen haben, daß er aus einem Scheite Späne schnitt, die sich sofort in Mäuse verwandelten, weshalb ihm der Name "Mäusemacher" beigelegt wurde. Auch verstand er eine Salbe zu bereiten, deren Gebrauch ihn auf 24 Stunden in einen Wolf verwandelte. Er hatte auch mit den anderen Zauberern und Hexen des Landes einen Bund geschlossen, der alle unter seiner Führung vereinigte. Die Aufnahme in diesen Bund geschah hauptsächlich bei den nächtlichen Zusammenkünften der Zauberer und Hexen auf dem Speiereck, wo Hexentänze und andere teuflische Lustbarkeiten abgehalten wurden. Sie geschah durch den "Gangerl" unter Beistand eines "Stiefgöthen" (Teufel, Kasperl, Jaggl usw.) in Form einer Taufe,bei welcher demjenigen, welcher in den Zauber- oder Hexenbund aufgenommen wurde, die alte Taufe vom "Hirn" weggerieben ("abgeripelt", abgekratzt) wurde, wobei er auch einen Namen, meist von Tieren, als: "Kräratz", "Hirschenhorn", "Kröte", "Hasenfuß" usw. erhielt. Besonders hatte es der Jackl auf die jungen Leute - Hirtenbuben usw. - abgesehen, die er seine Zauberkünste lehrte. Im Jahre 1678 sollen in Salzburg nicht weniger als 114 Zauberleute von 11 bis 20 Jahren, meist Anhänger des Jackl, hingerichtet worden sein.

Als der Zauberer-Jackl aber eines Tages auf dem Wege von Tamsweg einem hochwürdigen Kapuzinerpater begegnete und diesen fragte, wie man die himmlische Glückseligkeit erlangen könne, da redete der fromme Pater ihm so fest ins Gewissen, daß er, von innerer Reue erfaßt, sich selbst als Zauberer dem Pfleger von Moosham überlieferte und später als solcher auch hingerichtet wurde.

Quelle: Michael Dengg, Lungauer Volksleben. Schilderungen und Volksbräuche, Geschichten und Sagen aus dem Lungau, Tamsweg 1913; neu bearbeitet von Josef Brettenthaler, Salzburg 1957, S. 167 f.