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THURNSCHALL

Ungefähr auf halbem Wege von Tamsweg nach Lessach liegt auf einem dichtbewaldeten Felsenhügel an der Westseite des Lessachtales die Burgruine Thurnschall. Sie ist im Walde so versteckt, daß der ortsunkundige Wanderer ganz ahnungslos an ihr vorüberzieht, ohne einen Stein davon gesehen zu haben. Um zu ihr zu gelangen, muß man die längs des Lessachbaches führende Straße verlassen, links über eine Brücke abzweigen und den alten, ziemlich steilen und holperigen Weg nach Lessach verfolgen. Droben am Hügel wendet man sich ein wenig rechts, und man steht mitten im dichten Waldbestande vor der fast ganz zerfallenen Burg Thurnschall. Innerhalb der noch sichtbaren Mauerreste erblickt man einen kreisförmigen Platz, der ebenfalls mit hochstämmigen Fichten bewachsen ist. An der Westseite dieses Platzes tat sich bis vor nicht allzu langer Zeit unter einem größeren Mauerstück eine klaffende Öffnung auf. Sie führte zu einem unterirdischen Gelaß, in ihm sollen sich noch heute die Schätze des ehemaligen Ritterschlosses in schweren eisernen Kisten befinden. Das sagenhafte Thurnschallweibl bewacht diese Schätze.

Wie der Untergang der Burg, so ist auch ihre Geschichte dunkel. Sie soll einst den reichen und mächtigen Weißpriachern gehört haben und später, wie die Sage meldet, von Margarethe Maultasch belagert und zerstört worden sein. Aber je mehr die Geschichte schweigt, um so dichter spinnt die Sage ihre Zauberfaden um die zerfallene Burg und weiß uns gar manches von diesem alten Ritterschlosse zu erzählen.


Quelle: Michael Dengg, Lungauer Volkssagen, neu bearbeitet von Josef Brettenthaler, Salzburg 1957, S. 79