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VOM STERBEN DES PARACELSUS

Der berühmte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, liegt zu Salzburg begraben. Der damalige erwählte Erzbischof, Ernst Pfalzgraf vom Rhein, der selbst ein Liebhaber der Alchimie war, hatte ihn berufen. Paracelsus lebte jedoch nicht viel über ein Jahr in Salzburg, so starb er. Die übrigen Ärzte, so heißt es, ve,rschworen sich wider ihn. Bei einem Gelage im Wirtshaus "Zur rostigen Pechpfanne" am Kai (Paracelsus liebte einen guten Tropfen) wurde er während einer angestifteten Rauferei über zwei Stiegen herabgeworfen, erhielt einen Schlag auf den Schädel und andere Wunden, so daß er bald darauf starb. Später nahm man kein Bedenken, seinen Schädel mit dem merkwürdigen Bruch vorzuzeigen, von welchem behauptet wurde, derselbe habe nur bei lebendigem Leibe so beigebracht werden können.

In dem alten, mit einem hohen Giebeldach versehenen, später zu einem Stall umgewandelten und auch als Irrenanstalt benützten Nebengebäude des Fröschlmoser-Hofes in Mülln fand sich noch vor vierzig Jahren allerlei uraltes alchimistisches Gerät, weshalb die Sage ging, daselbst habe Paracelsus dereinst seine chemische Küche gehabt.

Als der Doktor Theophrastus auf seinem Sterbebett lag und merkte, daß es mit ihm zu Ende gehe, befahl er seinem Diener Klaus Frachmair, aus einem Wandschrank ein Fläschchen herauszunehmen und es in die Salzach zu werfen. Der Famulus ging; aber die rote Flüssigkeit erregte seine Neugier und den Wunsch, sie zu besitzen. Er tat daher, als hätte er seines Herrn Geheiß erfüllt, und kehrte um. Da fragte ihn Paracelsus, was er denn gesehen habe, nachdem das Fläschchen in die Salzach gefallen wäre. "Nichts", antwortete der Famulus, "dessen ich mich besinnen könnte." "So lügst du", sprach der sterbende Doktor mit voller Stimme, "und du hast die Flasche irgendwo versteckt. So gehe gleich und tue, was ich dir befohlen, sonst wehe dir!" Da hob sich der sterbende Mann noch einmal empor und drohte mit Hand und Miene. Und der Diener ging betroffen und tat, wie ihm geheißen. Als er aber ängstlich und bange zurückkehrte, hatte der Doktor schon das Zeitliche gesegnet. Das wundersame Fläschchen hatte die Salzach verschlungen; was aber der Diener sah, als er es hineinwarf, hat er niemandem geoffenbart. Seitdem soll man stadtabwärts in der Salzach Gold finden.

Eine Spielart dieser Sage erzählt, die Salzach habe im Augenblick, als das Fläschchen mit der Goldtinktur in ihre Fluten fiel, gezischt und aufgebraust wie kochendes Wasser oder wie eine Sturmflut zur See.

Theophrast wurde nicht bloß von den Ärzten angefeindet, sondern mehr noch von den Apothekern. Diese verstanden sich untereinander, und einer von ihnen, von der nachmals sogenannten Niderlapotheke, brachte ihm Gift bei. Als Paracelsus dies merkte, befahl er seinem Diener, ihn allein zu lassen und die Türen zu schließen. Nachdem dies mehrere Tage gedauert hatte und der Doktor, wie leicht zu entnehmen war, die ganze Zeit weder Speis noch Trank zu sich genommen hatte, wurde dem Famulus um seinen Herrn bange. Er nahm sich daher das Herz, schloß die Tür auf und sah nach seinem Herrn. Da entstand ein großes Unheil. Denn Paracelsus hatte es durch seine Kunst dahin gebracht, daß das Gift samt dem anliegenden Magenschleim in einem grünen, glasartigen Klumpen durch den Schlund langsam heraufgezogen wurde und schon ganz in der Gurgel angelangt war, als der Diener dazukam. Da rutschte es plötzlich wieder in den Magen hinunter und Paracelsus war verloren.

Nach einer anderen Sage erblickte der Diener den Doktor, wie derselbe ganz abgemagert und mit offenem Mund auf dem Bett lag, über ihm ein seltsamer Vogel mit langem Schnabel, der die Operation des Heraufziehens der Giftblase nahezu schon beendigt hatte, als er in erwähnter Weise gestört wurde.

Nach einer dritten Sage ist Paracelsus vom Mönchsberg herabgefallen oder hinabgestürzt worden.


Quelle: F. V. Zillner, Salzburger Sagen. - In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, II. Band, Salzburg 1862)