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DIE RORATEMESSE

Ein in der katholischen Christenheit allgemein üblicher Gottesdienst ist zur Adventszeit die Frühmesse unter dem Namen »Rorate«. Ein Fräulein aus Salzburg, das nie diese Messe versäumte, erwachte einstens, wie sie glaubte, um fünf Uhr. Eiligst zog sie sich an und eilte zum Dome. Obwohl verwundert, daß die Straßen ganz leer waren, ließ sie sich nicht aufhalten, da sie die Töne der Riesenorgel vernahm, die man selbst bei Tag zwei Plätze weit hört. Sie tritt auf den Domplatz und sieht die hohen Fenster hell erleuchtet, an der Kirche angelangt findet sie aber die Türen geschlossen. Verwundert geht sie hin und her, sie hört deutlich den Schlußgesang des Hochamtes. Plötzlich schlägt es vom Domturme ein Uhr. Das waren wieder die Bewohner des Untersberges, die namentlich zur Adventszeit ihre Höhlen verlassen und vorzüglich im Dome zu Salzburg und in Seekirchen ihren Gottesdienst feiern. Die Sage spricht von einem unterirdischen Gange, der die Verbindung herstellt.


Quelle: Vernaleken, Theodor, Alpensagen, Wien 1858, Nr 49