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Der Vergelt's Gott-Sammler

Ein recht böser, geiziger, dabei schlauer Bauer, welcher niemals etwas Gutes tun wollte, ließ sich doch einmal überreden, einen durch seinen Hof führenden Fußweg allgemein benützen zu lassen; doch gab er die Erlaubnis dazu nur unter der Bedingung, daß jeder Vorübergehende vor dem Kreuze, welches er beim Eingange in den Hof aufstellen ließ, ein "Vergelt's Gott" sagen müsse. Bei jedem solchen "Vergelt's Gott" machte nun der Bauer einen Einschnitt in das Kreuz und sammelte davon eine große Zahl.

Als der Bauer gestorben war und zum Himmelstor kam, um Einlaß zu finden, sagte der heilige Petrus: "Ja, was willst denn du da, du ungueter Ding du? Du wirst do nit etwan gar glauben, daß d'in Himmi einikimmst, o na!" - Darauf der Bauer: "Oho! was is's denn nachher mit meine "Vergelt's Gott"?" - Heiliger Petrus (verwundert): "Ja, hast denn du auch "Vergelt's Gott"?" - Bauer: "Ja, freili, und viel han i." - Heiliger Petrus: "Ja, wenn das is, daß d' wirkli an (solche) hast, da kannst's holen geh'n, nachher wer'n w'r schon seg'n, was g'schieht." - Der Bauer geht und holt seine "Vergelt's Gott", die, auf die Waage gelegt, schwerer ins Gewicht fallen als seine Sünden, worauf ihn der heilige Petrus bei einem kleinen Spalt "in den Himmi" einischlupfen laßt.

Quelle: Marie Wörgerbauer, Salzburg, in: ZföVk. 15, 1909, S. 64, zit. nach Leander Petzold, Sagen aus Salzburg, München 1993, S. 264.