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SPITZNAMEN DER OBERÖSTERREICHER

Die Oberösterreicher werden heute noch als „Gscheerte", also bäuerliche Menschen bezeichnet, denn die Bauern durften als Unfreie durch Jahrhunderte kein wallendes Haar tragen. Auch der Spitzname „Mostschädeln" ist noch nicht ausgestorben, obwohl der vergorene Apfel- oder Birnensaft, der „Most", längst nicht mehr das verbreitete und beliebte Hauptgetränk des Landes bildet.

Gänzlich verschollen ist der Beiname „Stieglhupfer" für die Bewohner des Landes ob der Enns. Und doch war er einmal sprichwörtlich. So begrüßte Kaiser Franz I. die Gräfin Lulu Türheim 1814, als sie mit ihren Schwestern in oberösterreichischer Tracht auf einem Ball des Fürsten Metternich erschien, mit den Worten: „Ach, da sind sie ja, meine lieben Stiegl-hupferinnen!" Höfer in seinem Wörterbuch erklärt den Ausdruck aus dem Umstände, „daß es hier ob der Enns unzählige Stiegel über Zäune gibt, indem die Häuser nicht in großen Dörfern, sondern zerstreut mitten unter ihren Gründen stehen".


Quelle: Commenda Hans, Eigene Sammlung. Handschrift.
Höfer Matthias, Etymologisches Wörterbuch. III, S. 82. Heimatgaue, Linz, 1934.

aus: Hans Commenda, Sagen in und um Linz, in: Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 21, 1967, Heft 3/4, S. 27 - 74.