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13. Teufelssagen.

1. Teufelswerk und Teufelsabwehr.

d) Mißlungenes Teufelswerk.

58. Der Teufel wollte es Gott nachmachen und Schwalben schaffen. Er brachte aber nur die Elster mit ihrem Gekrächze zustande. Wenn man in einem Baum, wo sie nistet, drei Kreuze schneidet, flieht sie davon, auch wenn sie junge Brut im Neste hat.

59. Der Teufel wollte die Naarn gegen Allerheiligen ableiten, um dort den frommen Pfarrer und sein Werk zu vernichten. Es gelang ihm nicht, in der Naarntalstraße zwischen Perg und Pierbach ist aber noch der mächtige Falkenstein zu sehen, den der Teufel aufgetürmt hat.

60. Vor Alters waren die Leute in Hinterstoder dem Teufel zu fromm, vergeblich versuchte er sie zu verführen, aus Zorn wollte er den Kleinen Priel und den Steyersberg übereinander wälzen, um dadurch die Steyr zum See zu stauen und das Stodertal zu tränken. Er bekam aber nur kleine Felsstücke los, die zur Steyr hinabflogen; wie ein Bach floß dabei dem Teufel der schwarze Schweiß herab, so daß der Schwarzbach entstand, der Abfluß aus der Kreidelucke. Vor Wut stampfte der Teufel auf den Felsen und fuhr mitten durch den Berg in die Hölle. Das Loch, das er dabei ausriß, ist die Kreidelucke. Auch der Teufelstritt ist noch kenntlich.

61. Vergeblich wollte der Teufel über die steinerne Mühl bei Helfenberg eine Brücke bauen, die Felstrümmer liegen im Bett.

62. Der liebe Gott erschuf Freistadt wunderschön, darüber war der Teufel so bös, daß er die Stadt zerstören wollte. Mit einem Sack voll ungeheuren Steinen flog er gegen die Stadt. Als er aber zur Feldaist kam, riß der Sack und die Steine und Felsblöcke fielen ins Wasser. Deshalb ist die Feldaist so steinig.

63. Die Leute in der Gegend von Königswiesen waren so brav, daß der Teufel schlechte Geschäfte machte, deshalb sammelte er in der Nacht die großen Steine von den Wiesen und Feldern der bösen Menschen, um sie dafür in die Fluren der Braven zu werfen. Er hatte schon seinen mächtigen Fürfleck voll und flog gegen den Harlingsöderberg. Da riß aber der Fürfleck, nach anderen krähte ein Hahn vorzeitig im Schlaf und beendete dadurch des Teufels Macht. Die Steine stürzten zur Erde, darum liegen sie so zahlreich in der Gegend.

64. Zum Marienbild in Maria Taferl wallfahrteten jährlich viele Menschen die Donau hinab, deshalb wollte der Teufel das Donautal unterhalb Grein durch eine mächtige Mauer sperren. Der Herr erlaubte es ihm, wenn er beim ersten Hahnenschrei fertig sei. Der Teufel arbeitete emsig nächtlicherweile, es fehlte nur mehr das Verschlußstück, da krähte der erste Hahn, die Mauer brach zusammen und es entstand der wegen seiner Klippen einst so gefürchtete Strudel. Den Stein, den der Teufel eben in der Hand hatte, schleuderte er voll Zorn hinter sich, so entstand der Haustein.

*65. Nach einer anderen Erzählung warf er den Felsblock in den Strom, so daß im Bett ein mächtiges Loch entstand, der Werfl.

66. Vergeblich suchte der Teufel den Besitzer der Klausmühle bei Prägarten für sich zu gewinnen, aus Rache wollte er in der Nacht die Mühlsteine zerschlagen. Der Lärm aber weckte die Leute und sie begannen zu beten. Da fuhr der Teufel unter Gepolter davon. In der nächsten Nacht wollte er oberhalb der "Klaus" die Aist durch eine mächtige Mauer sperren. Er fand sie aber zu hoch und trug die Nacht darauf wieder einen Teil ab; ehe er noch fertig war, krähte der erste Hahn, die Mauer stürzte ein und riß den Teufel in die Tiefe. Die mächtigen Felsblöcke im Flußbett sind Reste der Teufelsmauer.

67. Auch bei Klamm wollte der Teufel das Aisttal sperren, nur wenige Steine fehlten noch in der gewaltigen Mauer, da krähte der Hahn und die Mauer zerfiel. Die Überreste heißen heute noch derTeufelsfelsen.

68. Oberhalb Engelhartszell führte der Teufel durch die Donau in der Nacht eine gewaltige Mauer auf, um den Passauern Schaden zuzufügen. Als er schon fast fertig war, kam ein Bauer auf einem Boot flußab und stieß gegen einen vom Teufel versenkten Granitstein. Der Bauer schrie auf, im Korb, den er mit hatte, krähte ein Hahn, da stürzte die Mauer zusammen, ihr Rest ist der Jochenstein.

69. Einst schlich sich, wie es auch heißt, der Teufel im geistlichen Kleid in Engelszell ein, um die Mönche zu versuchen. Vom Abt entdeckt, mußte er fliehen und sprang in die Donau. Durch den gewaltigen Wasserschwall, den er dabei verursachte, entstand der Jochenstein.

70. Der Teufel vereinbarte mit den Weyreggern, ihnen über Nacht eine Brücke über den Attersee zu bauen. Dafür sollte jeder zehnte, der hinübergehen würde, ihm gehören. Er arbeitete die ganze Nacht fleißig, zuerst schuf er die mächtige Landzunge zwischen Attersee und Nußdorf, dann begann er den Bau der Brücke, kam aber nur langsam vorwärts, denn der Unterbau sank öfter ein. Als der erste Hahn krähte, fehlte noch ein geringer Rest, die Brücke versank bis auf ein kleines Stück, das heute noch zu sehen ist. Andere erzählen, der Teufel mußte sein Werk zwischen 11 und 12 Uhr nachts vollenden, bevor er aber fertig war, schlug es Mitternacht.

71. Am Eibenstein bei Summerau befand sich einst ein Opferaltar der Heiden. Die Christen beschlossen, deshalb an der Stelle eine Kirche zu bauen. Damit war der Teufel nicht einverstanden. Was die Werkleute bei Tag schufen, trugen in der Nacht böse Geister auf den Rainbacher Hügel. In der ersten Nacht kratzte während dieser Arbeit ein weißer Hahn, in der zweiten ein roter, die Teufel kümmerten sich nicht darum. Als aber in der dritten Nacht ein schwarzer Hahn krähte, rief ihr Anführer: "Schwarzer Hahn! Ich muß davon!" Die Teufel mußten fliehen, die Bauhölzer lagen aber schon alle auf dem Rainbacher Hügel, darum erbaute man die Kirche dort.

*72. Der Teufel biß einst ein Stück vom Untersberg ab und trug es durch die Lüfte fort. Als der erste Hahn krähte, war seine Zeit um, er mußte das Bergstück fallen lassen. So entstand der Schafberg, der deshalb auch Teufelsabbiß heißt.

73. Die Ischler ließen sich nicht vom Teufel verführen, voll Zorn führte er ein Stück stromab eine mächtige Staumauer auf, um den ganzen Ort auszutränken. Ehe er fertig war, wurden in der Ischler Pfarrkirche die Morgenglocken geläutet. Der Teufel mußte fliehen, sein Werk brach zusammen. Als Rest blieb ein mächtiger Felsblock liegen, den der Teufel vom Jainzen herabgewälzt hatte. Einst bildete er ein schweres Hindernis für die Salzschiffe. Seit auf ihm ein Kreuz errichtet wurde, heißt er der Kreuzstein, sein ursprünglicher Name war Kohlstein. Der richtige Kreuzstein befindet sich bei Mitterweißenbach.

Andere erzählen, daß der erste Hahn krähte, ehe das Werk fertig war, so daß es der Teufel im Stich lassen mußte.

74. Der Teufel trug wiederholt nachts eine Felswand in den Nußbach bei Königswiesen und staute dadurch das Wasser, so daß es in der Nußmühle ins Haus drang. Am Morgen aber stand die Felsmauer stets an ihrem alten Platze. Da ließ der Nußmüllner auf dem Felsen ein Kreuz errichten, seither konnte der Teufel nichts mehr ausrichten.

Quelle: Oberösterreichisches Sagenbuch, Hg von Dr. Albert Depiny, Linz 1932, S. 234 - 236
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Norbert Steinwendner, März 2006.
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