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DIE VERNICHTUNG DER "BÖHMISCHEN BRÜDER"

Im Jahre 1463 bemächtigte sich der Burg Baden und der benachbarten Veste Rauheneck ein Böhme, Franz Haag, in Verbindung mit einer Räuberbande von 400 Böhmen unter dem Anführer Sluha. Diese beunruhigten den Ort Baden und alle umliegenden Ortschaften durch ihre Räubereien; sie hatten ihren vorzüglichen Schlupfwinkel in einer felsigen Bergschlucht zwischen dem Kalvarien- und Mitterberge, welche noch heutzutage den böhmischen Namen Put-schanerluke, d. i. Räuberhöhle, trägt. Im Jahre 1466 wurde diesem Unfuge ein Ende gemacht, indem Georg von Pottendorf auf Befehl Friedrich IV. diese Räuberrotte vernichtete, das Schloß von Baden und Rauheneck mit Gewalt eroberte, den Räuberhauptmann Sluha und Franz Haag gefangen nahm, und beide auf einem hohen Berge, der Hühnerberg genannt, aufhängen ließ, damit man sie als Warnungsbeispiel von weitem im Lande sehen könne. Sie genossen dabei, alten Nachrichten zufolge, die sonderbare Auszeichnung, daß sie durch sechs Schimmel bis zum Galgen auf diesen hohen Berg geführt wurden; und zum Andenken, als im Jahre 1480 der "Ort Baden" eine eigene Gerichtsbarkeit erhielt, wurde dieser Platz zum beständigen Hinrichtungsplatze bestimmt, wodurch Baden sein drittes sogenanntes Wahrzeichen erhielt, nämlich, daß es den höchsten Galgen im Lande besitze, der aus drei Säulen bestand und erst im Jahre 1788 niedergerissen wurde. Auch behielt Baden das Vorrecht, seine Delinquenten mit sechs Schimmeln zum Galgen ausführen zu lassen.


Kommentar: (Kirchliche Topographie.)
Quelle: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1924, Band II, S. 12