SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Niederösterreich >> Weinviertel

   
 

DER TEUFELSMÜLLER VON DOBERMANNSDORF

Als der Ort noch aus wenigen Häusern und einer Mühle bestand, kam eine junge, aufgeweckte Magd zur Mühle. Dort hauste ein verwegener Müller, der den Leuten in der Gegend nicht ganz geheuer war. Der wilde Müllersmann war von dem Mädchen sehr angetan und verliebte sich alsbald in sie. Auch die Magd fand den Müller sehr sympathisch, merkte aber, dass hier irgend etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Sie stellte fest, dass der Müller mit dem Teufel im Bunde stand und sann darüber nach, wie sie den Bösen vertreiben konnte. Denn einen Mann, der mit dem Teufel gemeinsame Sache machte, wollte sie keineswegs ehelichen.

In der Mühle befanden sich zwei Stuben, wovon eine ein gelbes, die andere ein rotes Fenster hatte. In der gelben Stube mit dem gelben Fenster schliefen die Knechte, in der roten mit dem roten Fenster die Mägde. Der Müller hatte mit dem Teufel beschlossen, dass alles, was durch das Fenster in die rote Stube kommt, sofort und für immer in die Hölle muss. Die kluge Magd vertauschte nun die beiden Fenster, so dass die gelbe Stube nun ein rotes Fenster und die rote ein gelbes Fenster hatte. Als der Teufel das nächste Mal kam und die Tür versperrt fand, stieg er nichtsahnend beim gelben Fenster ein. Kaum war er aber drinnen, sah er sich in der roten Stube bei den Mägden und erkannte den Irrtum. Mit schrecklichem Getöse fuhr er mit einem Schlag durch den Boden mitten in die Hölle und kam nie wieder in die Mühle.

Die unerschrockene Magd heiratete hierauf den Müller, der ebenfalls froh war, nun keinen Pakt mehr mit dem Höllenburschen zu haben. - Gemeinsam lebten sie noch viele Jahre.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 249