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DAS TEUFELSBÜNDNIS

In der Bauerngemeinde Obermallebarn lebte einst ein Bauer, der stets volle Scheunen hatte. Gab es auch ein schlechtes Jahr, der Bauer hatte weder Not noch Mangel zu leiden. Nicht, dass er den anderen Dorfbewohner deswegen etwas gegönnt hätte. Obwohl er am meisten besaß, war er der geizigste des ganzen Ortes.

Irgendwie kam das den anderen eigenartig vor, sie ahnten, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Aus Ungewissheit und wohl auch aus Angst gingen sie ihm lieber aus dem Weg und mieden ihn. Im Stillen beneideten sie ihn aber doch ein wenig.

Als wieder einmal Krieg war und ein fremdes Heer durch das Land zog, wurden alle Bauern geplündert, um die fremden Soldaten zu verpflegen. Bald wurde auch die letzte Kuh aus dem Ort weggeführt und die Bauern litten unter großem Hunger. Der reiche Geizhals aber prasste weiterhin mit Speis und Trank. Kaum fehlte ihm etwas, erhielt er es unverzüglich wieder.

Den Dorfbewohnern wurde allmählich klar, dass der Bauer vom Teufel höchstpersönlich unterstützt werde. Brauchte er Geld, kam der Teufel nächtens in Gestalt eines roten Drachen durch den Kamin des Hauses. Brachte er ihm Lebensmittel, erschien er als blauer Drachen. Der geizige Bauer genoss so über viele Jahre ein Leben in Saus und Braus. Als er aber älter wurde, begann er nachdenklich zu werden, er sah die Stunde seines Todes näher und näher rücken.

Er bekam es allmählich mit der Angst zu tun und wollte sich nun an den Pfarrer wenden, um seine Seele doch noch vor dem Teufel zu retten. Ausgerechnet jetzt war jedoch der Gottesmann nicht im Ort. Der Teufel hatte inzwischen von den Plänen des Bauern Wind bekommen und sah schon seine Beute schwinden. Als nun der Pfarrer zurückkam und die Kirche betrat, schlug im selben Moment ein Blitz in das Haus des todkranken Bauern ein.

Viele von den neugierig herbeigelaufenen Dorfbewohnern wollten in den Flammen den Teufel gesehen haben, der gerade mit dem Geizhals über der Schulter die Höllenfahrt angetreten hatte.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 96