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DAS RAUBSCHÜTZENKREUZ

Dort, wo die Haselbacher Flur in die Streitdorfer Flur übergeht, erhebt sich ein gemauertes Marterl, das "Raubschützenkreuz". Der Name geht auf eine unselige Begegnung zwischen einem wildernden Knecht und einem jungen Bauern zurück.

Der Wilderer fügte den Jagdbesitzern durch sein unrechtmäßiges Treiben argen Schaden zu. Tagsüber und in der Dämmerung erschoss er das Wild und des nächtens legte er Schlingen und fing damit Hasen und Fasane.

Die Bauern der beiden Orte waren schon sehr zornig auf den Wilderer, doch keinem von ihnen gelang es, ihm das Handwerk zu legen, er wusste sie stets zu täuschen.

"Heut oder nimmer!", sprach eines Abends ein junger kräftiger Bauernbursche und war festen Willens, dem Wilderer aufzulauern. Er nahm seinen Hund an die Leine, schulterte sein Gewehr und marschierte in die eiskalte Winternacht hinaus zum Grenzgraben, wo er ihn vermutete.

Der junge Bauer hatte sich schon ziemlich weit vom Dorf entfernt, als der Hund den Wilderer witterte. Schon sah ihn der entschlossene Bauernbursch; er erblickte eine dunkle Gestalt, die ein Gewehr geschultert hatte und einen Hasen nachschleifte.

"Halt! oder ich schieße!", herrschte der Bauer die schwarze Gestalt an. "Ich, oder Du!", erklang es als Antwort.

Zwei Flüche, zwei Blitze und zwei Schüsse, dann war es totenstill im stockfinsteren Wald. Beide hatten im selben Augenblick aufeinander gezielt, geschossen und todsicher den jeweils anderen getroffen. Nur der Hund hatte überlebt und irrte nach Hause. Am nächsten Morgen fand man den Bauernburschen und den Knecht erschossen im Wald.

Seit dieser Zeit ging es in der Gegend zur Nachtzeit nicht geheuer zu. Die beiden Männer, die ausgezogen waren um zu töten, konnten lange keine Ruhe finden. Lange noch hörte man ihr Fluchen, die Schüsse und die Todesschreie. Erst, als man das Kreuz errichtet hatte, war auch der nächtliche Spuk vorbei.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 90