SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Niederösterreich >> Weinviertel

   
 

DIE KIRCHE ZU PLATT

Die Kirche von Platt mit ihrem stufenartigen Turm befindet sich auf einer Anhöhe im Süden des Ortes. Ihr markantes Aussehen macht sie zu einem wichtigen Orientierungspunkt im Süden des oberen Pulkautales.

Als man daran ging, sie zu erbauen, war man sich einig: es sollte eine ganz besonders schöne Kirche werden. Für den Baumeister, der den Auftrag zum Kirchenbau erhielt, war dies kein einfaches Unterfangen. Er überlegte Tag und Nacht, wie er den Plattern eine schöne Kirche bauen konnte. So manchen Abend saß er alleine zu Hause und grübelte. Eines Tages erschien zu später Stunde ein fremder, eigentümlich aussehender Mann in seiner Stube. Er hatte ein schmales, hageres Gesicht, trug einen langen, grauen Mantel und auf seinem Kopf saß ein spitzer Hut mit einer langen Feder. Der Fremde setze sich zum Baumeister auf die Bank und fragte ihn nach dem Grund seines Schwermutes. Der unglückliche Baumeister schüttete sein Herz aus und klagte dem Unbekannten sein Leid. "Dir kann geholfen werden", erwiderte der seltsame Gast. "Hier ist ein Plan, der jedem gefallen wird, schreib mit einem Tropfen deines Blutes deinen Namen auf das Papier, dann bist du alle Sorgen los!"

Da war dem Baumeister klar, dass er dem Teufel höchstpersönlich gegenüber saß. Er wollte auf keinen Fall mit dem Bösen einen Pakt schließen. Doch der ließ nicht ab und erzählte ihm von Reichtum und Ruhm, der dem Baumeister zuteil werden würde. Je länger er redete, desto nachdenklicher wurde der Baumeister. Schließlich gab er doch nach und unterzeichnete den Bund.

Rasch schritt nun der Bau des Gotteshauses voran und bald nach der Fertigstellung wurde es mit einem großen Fest geweiht. Den Baumeister würdigte und lobte man in vielen Reden, die Platter waren wie keine andere Gemeinde stolz auf ihr einzigartiges Gotteshaus.

Als der Höhepunkt des Festes nahte und die gesamte Gemeinde in der Kirche versammelt war, erschien ein Mann, den niemand zuvor gesehen hatte. Mit wehendem Mantel und funkelnden Augen schritt er auf den bleichen Baumeister zu. Der hatte sofort erkannt, dass niemand anderer als der Teufel erschienen war. "Nun wollen auch wir die Rechnung machen!", rief der Leibhaftige mit so schriller Stimme, dass alle Anwesenden erschauderten. Mit einem Schwung breitete er seinen weiten Mantel über den Baumeister aus und schon war er mit Getöse, Blitz und Schwefelgestank durch die Decke gefahren.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 55