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DIE GRÜNDUNG DER KIRCHE VON PEIGARTEN

Die Pulkauniederung zwischen Haugsdorf und Pfaffendorf war in früherer Zeit teilweise von einem See bedeckt, stellenweise war hier auch noch dichter Wald.

Im Haugsdorfer Schloss, das damals noch stand, lebte ein mächtiger Graf mit seiner jungen Frau. Um in die Kirche zu gelangen, mussten sie mit einem Kahn über den See nach Pfaffendorf fahren. Eines Tages, als sie auf dem Weg zum Gottesdienst waren, kam ein Windstoß und riss der Frau des Grafen den Schleier weg. Über diesen Verlust war sie sehr betrübt, da der Schleier ein kostbares Andenken an ihre Mutter war. Verzweifelt suchte sie überall nach dem Schleier, konnte ihn aber nirgends ausnehmen. Als sie ihn nach langem Suchen noch immer nicht gefunden hatte, gelobte sie, eine Kirche bauen zu lassen, sollte der Schleier wieder auftauchten.

Nach vielen Jahren fanden Knechte des Schlossherrn, die sich auf der Jagd befanden, den völlig unversehrten Schleier im dichten Wald. Erfreut über das wertvolle Stück erfüllte die Gräfin ihr Gelöbnis. An jener Stelle, wo der Schleier gefunden worden war, ließ sie eine Kirche erbauen. Sie wurde zur Erinnerung an die fromme Stifterin der Hl. Radegundis geweiht und steht ähnlich wie die Kirche von Zellerndorf über den Niederungen der Pulkau.

So mag die Wahl des Ortes eine Fügung Gottes gewesen sein, denn die Pulkau trat auch hier immer wieder aus ihren Ufern.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 57