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ALS MOZART NACH PRAG FUHR

Es begab sich in den langen Kellernächten rund um Raschala. Die ortsansässigen Männer saßen wie so oft in einer Runde zusammen und kosteten den jungen Wein, redeten über den alten Wein und wussten bald über Gott und die Welt Bescheid. Weil sie eine Unmenge getrunken hatten, mussten sie auch öfter austreten. Und weil sie nicht weit gehen wollten, erleichterten sie ihr allzu menschliches Bedürfnis bei einem Stein gleich neben dem Keller. Bald nannten sie diesen Stein "Pinkelstein". Als sie so grübelten, wie denn der Name Raschala entstanden sein könnte, da fand sich nach ein paar Gläsern Wein auch eine Antwort auf diese schwierige Frage.

Demnach meinten die Männer zu wissen, dass der Name wohl auf Mozart zurückgehe, der auf dem Weg nach Prag war. Er kam dabei in seiner Kutsche auch hier in der Hollabrunner Gegend vorbei und passierte just den Hohlweg der Raschalaer Kellergasse. Weil er sich hier von den steilen Wänden geschützt und unbeobachtet fühlte, wollte er einem schon lange notwendigen Bedürfnis nachgehen. Er bat den Kutscher, ob er "rasch ala" sein könnte. Gerne und verständnisvoll willigte der Kutscher ein und hielt das Gespann an.

Als Erinnerung an den ungeplanten Aufenthalt des großen Komponisten setzte die illustre Kellerrunde später jenen Stein, der heute noch als "Pinkelstein" bekannt ist.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 116