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DAS VERSUNKENE KLOSTER

Die Überlieferung weiß von einem Kloster zu berichten, das vor langer Zeit in der Ebene zwischen Pettendorf und Niederrußbach stand.

Die dortigen Nonnen führten ein Leben, das Gott gar nicht gefiel, weil es gegen ihre Gelübde verstieß. Sie feierten gerne Feste, tranken dabei auch oft zuviel und statt frommer Lieder sangen sie lieber Trinklieder. Es kam des öfteren vor, dass sie Ausflüge in die Nachbarorte machten und dem Kloster tagelang fern blieben.

Es war gerade Karfreitag, der früher als sehr strenger Fasttag gefeiert wurde. Die Nonnen dachten aber nicht daran, sich an das Gebot Gottes zu halten und an den Christus zu denken, der an diesem Tag seine schwersten Stunden durchlitten hatte. Sie feierten indes ein frohes Fest.

Auf einmal verfinsterte sich der Himmel am helllichten Nachmittag, schwarze Wolken zogen auf und helle Blitze zuckten am Horizont. Ein fürchterliches, noch nie dagewesenes Unwetter zog über das Land. Als das Wetter abgezogen war, und sich die Bewohner wieder aus ihren Häusern wagten, war das Kloster wie weggefegt. Lediglich aus der Ferne war das Wehklagen einer Nonne zu hören, die zur Unglücksstunde unterwegs gewesen war und es versäumt hatte, zur rechten Zeit zu ihren Mitschwestern heimzukehren.

Reumütig zog sie an einen anderen Ort und führte von nun an ein Gott gefälliges Leben. Manchmal sieht man sie nächtens noch an jener Stelle klagen und beten, wo einst das Kloster stand. Dieser Ort blieb von nun an kahl und verödete allmählich.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 155