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DIE VEITSKIRCHE BEI KLEINENGERSDORF

Die dem Hl. Veit geweihte Kirche von Kleinengersdorf befindet sich am Hagenbrunner Sattel, der das Marchfeld mit dem Korneuburger Becken verbindet. Die Kirche steht etwas näher zum Korneuburger Becken. So sieht man zunächst nur die Turmspitze, wenn man von der Hagenbrunner Seite kommt. Über diese merkwürdige Lage einer Kirche zwischen zwei Orten gibt es zwei Überlieferungen:

Als man in alter Zeit daran ging, dort eine Kirche zu erbauen, entbrannte ein heftiger Streit zwischen der Hagenbrunner und der Kleinengersdorfer Bevölkerung. Sie konnten sich nicht einigen, wo die Kirche stehen sollte, mehr bei den Hagenbrunnern oder eher auf der Kleinengersdorfer Seite. Nach langen Diskussionen einigten sie sich, das Gotteshaus an der Grenze beider Gemeinden zu errichten.

Eine andere Überlieferung will wissen, dass sich die Hagenbrunner zunächst durchsetzten und schon eifrig begannen, Steine an einer Stelle in ihrem Gemeindegebiet für die Kirche zu sammeln. Schon hatten sie eine ordentliche Menge beisammen, als am nächsten Morgen sich die Steine an jener Stelle fanden, wo die Kirche nun steht. Die Menschen sahen darin einen Fingerzeig Gottes und erbauten die Kirche dort, wo sie die Steine zuletzt gefunden hatten. So hat Gott den Streit entschieden und seinen Willen durchgesetzt.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 130