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DIE IRRGLOCKE

Als die Gräfin Fries wieder einmal in der Orther Au spazieren ging, kam es, dass sie sich vor lauter Bewunderung für die Natur verirrte. Bald zog ein Gewitter auf, dunkle Wolken erschienen, der Himmel verfinsterte sich und die Gräfin bekam es mit der Angst zu tun. Sie wusste nicht mehr ein noch aus, bald irrte sie zu dieser Lichtung, bald zu jener. Alle Orte schienen ihr ein wenig bekannt und doch irgendwie fremd. In ihrer Not betete sie zur Hl. Maria, dass sie ihr helfen möge. Sie hatte Angst, hier mutterseelenalleine in der Au zu sterben.

Kirche Orth, Weinviertel, Niederösterreich © Harald Hartmann

Kirche Orth, Weinviertel, Niederösterreich
© Harald Hartmann, September 2007

Da hörte sie von weitem her den Klang einer Glocke. Diese Glocke wurde in Orth nur geläutet, um Unwettergefahren abzuwenden. Langsam und völlig durchnässt folgte sie dem Klang der Glocke, der auch immer deutlicher zu vernehmen war. Schließlich kam sie völlig erschöpft in Orth an: sie war gerettet! Die Hl. Maria hatte ihr geholfen. Als Dank stiftete sie zur Ehre der Mutter Gottes in der Orther Kirche eine Glocke, die die Orther Irrglocke nannten.

Schloss Orth, Weinviertel, Niederösterreich © Harald Hartmann

Schloss Orth, Weinviertel, Niederösterreich
Mächtige 3flügelige Anlage mit 4 dominierenden Ecktürmen, ursprünglich von Wassergraben umgeben. Urkundlich 1021 erwähnt, 1377 an die steirische Ecke der Habsburger, in der Folge häufiger Wechsel der Pfandinhaber. 1523 - 68 Erblehen der Grafen Salm, unter Niclas Graf Salm Wiederaufbau der 1529 zerstörten Burg. Im 17. Jahrhundert Zentrum von Hofjagden. 1679/80 Zubau des Neuschlosses, 1686 Sitz der Grafen Strattmann, 1802 in Besitz der Schwester Napoleons Carolina Gräfin Lipona, 1824 durch Kauf an Kaiser Franz I. und somit in Besitz des kaiserlichen Familienfonds, von diesem bis 1918 betreut, 1873 Jagdschloß von Kronprinz Rudolf. Heute Heimat- und Fischereimuseum. (Quelle: Dehio Niederösterreich, 846)
© Harald Hartmann, September 2007

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 232