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DIE HEXENBRÜCKE

Zu später Stunde begab sich einst ein Schuster aus Asparn von Siebenhirten aus nach Hause. Es war in einer der Faschingsnächte, bitterkalter Wind und dichtes Schneetreiben machten den Heimweg sehr mühsam. Von der Anhöhe aus sah er, dass bei der Brücke beim Kuchelholz Pferde angebunden waren. Auch einen Lichterschein konnte er dort ausnehmen. Als er nun näher kam, bemerkte er eine muntere Schar Frauen, die mit langen schwarzen Haaren und bunten Röcken wild um ein Feuer herum tanzten. Ohne ihn lange zu fragen, wer er denn sei, luden sie ihn ein, mit ihnen zu tanzen. So tanzten sie miteinander, er wurde ihr Gast und langte auch bei Speis und Trank kräftig zu. Als er sich verabschiedete, füllten sie ihm noch die Taschen mit Krapfen, ehe er schnellen Schrittes heimeilte.

Als er am Morgen seine mitgebrachten Köstlichkeiten essen wollte, griff er in die Taschen und fand darin nur Rossknödel. Wütend und gleichzeitig aber auch sehr verunsichert machte er sich auf den Weg zur Brücke. Er wollte sich bei seinen Gastgeberinnen beschweren.

Doch dort fand er niemanden, die Gegend war völlig leer und unscheinbar, so wie er sie schon vorher gekannt hatte. Da dämmerte es ihm; er war sich nun ziemlich sicher, dass er Gast bei Hexen gewesen war. Als ihm dies immer deutlicher bewusst wurde, erfüllte ihn tiefe Dankbarkeit, dass er dem bunten Treiben doch glimpflich entkommen war und er nur Rossknödel mitbekommen hatte.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 193