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DIE SCHWARZE FRAU

Vor langer Zeit hauste auf der Burg Hardegg im schönen Thayatal ein wilder Rittersmann. Er führte dort ein gotteslästerliches Leben. Er trank mit seinen Kumpanen oft und auch gerne einmal zuviel und begehrte so manche hübsche Maid. Bald gaukelte er dieser dann die schönsten Versprechungen vor. Doch kaum hatte er sie zu seinen Kumpanen auf die Burg gelockt, verstieß er sie alsbald auch wieder.

Nur Regina, ein hübsches Mädchen aus dem kleinen Städtchen Hardegg am Fuße der Burg, wollte ihm um keinen Preis folgen. Darüber war der Ritter derart erzürnt, dass er seinen Knechten befahl, ihm die Jungfer vorzuführen. Dann würde sie wohl seinen Wünschen gehorchen, meinte er. Doch er hatte sich getäuscht. Regina widersetzte sich auch auf der Burg seinem Willen und blieb bei ihrem "Nein!". Da erfasste den grausamen Frevler der Zorn und er ließ das arme Mädchen bei lebendigem Leib in die senkrechte Felswand gegenüber der Burg nahe der Fugnitz einmauern, damit sie einen qualvollen Hungertod sterben möge. Regina selbst hatte noch gehofft, dass sie am Ende doch begnadigt werden würde. Aber von dem hartherzigen Rittersmann war nicht die geringste Spur von Nachsicht oder gar Reue zu erwarten.

Indes ritt er mit seinem Ross hoch oben auf dem Felsen, um sich vom Gelingen des grausamen Werkes zu überzeugen. Sein Pferd aber strauchelte auf der Anhöhe und so stürzten Ross und Reiter über den steilen Felsvorsprung in die Tiefe. Als nach seinem Leichnam gesucht wurde, konnte ihn niemand finden, er blieb mitsamt dem toten Pferd spurlos verschwunden. Lediglich in einsamen Vollmondnächten gewahrten aufmerksame Wanderer die Gestalt eines Reiters, der hoch oben über den Felsvorsprung ritt und sein Pferd kurz vor dem Abgrund anhalten wollte. Doch vergebens, Vollmondnacht für Vollmondnacht stürzte er in die Tiefe. Auch Regina konnte keine Ruhe finden. Zu mitternächtlicher Stunde sah man sie lange Zeit als schwarze Frau im langen wallenden Gewand zum Friedhofschweben, wo sie ein Grab für sich suchte.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 16