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DIE FEURIGEN MÄNNER

Wer spät in der Nacht von Leitzersdorf nach Roseldorf fährt, kann manchmal Feuermänner sehen. Sie sehen aus wie Irrlichter, die über Wiesen und Felder huschen.

Einstens fuhr ein Bauer, der sich in Stockerau verspätet hatte, mit seinem Pferdefuhrwerk in stockfinsterer Nacht nach Hause. Es war so dunkel, dass man die eigene Hand vor den Augen nicht sehen konnte. Da tauchten plötzlich mitten in der Finsternis Lichter auf, die sich hin und her bewegten. Der Bauer glaubte zunächst, eine Schar Leute mit Laternen vor sich zu haben. Er rief sie an und bat sie, ihm den Weg zu zeigen, damit er nicht von der Straße abkomme. Als würde ihn eines der Lichter erhört haben, schwebte es vor seinem Fuhrwerk und leuchtete ihm so hell, dass er sicher heim kam. Zu Hause angekommen, spannte er seine Pferde aus, fütterte sie und legte sich dann schlafen. Er vergaß dabei völlig, dem Feuermännlein, das ihm den Weg gewiesen hatte, zu danken.

Seine Frau aber, die noch einige Arbeiten zu verrichten hatte, bemerkte ebenfalls den Lichtschein vor dem Fenster. Zunächst meinte sie, beim Nachbarn wäre Feuer ausgebrochen. Als sie näher nachschaute, stellte sie fest, dass es der Feuermann war, der geduldig auf den Dank des Bauern wartete. Als sie sich bei ihm für die glückliche Heimkehr ihres Mannes bedankte, verschwand das Feuermännlein.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 84