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DER HEILIGE REGEN

In alter Zeit lagerte in der Gegend von Dürnkrut ein feindliches Heer, das Land und Leuten viel Unglück brachte. Dies sah der Herrgott, der es mit den Seinen gut meinte und sie vor dem Feinde verschonen wollte. So schickte er eine große Dürre. Wiesen und Felder verdorrten und der Feind war gezwungen, zur Donau zu ziehen. Dort angekommen tranken die durstigen Kämpfer so gierig, dass viele starben. Die Bauern aber beteten indes unentwegt und der Liebe Gott erhörte auch ihre Bitten: es begann wieder zu regnen. Es kam ein so heftiger Regen, dass er bald alles wegschwemmte. Als sich das Land einigermaßen wieder erholt hatte, spross an allen Ecken und Enden frisches, junges Grün und die Gegend wurde eine der fruchtbarsten Regionen des Landes. Der Boden warf den doppelten und dreifachen Ertrag ab und noch lange Jahre waren die Auswirkungen des "heiligen Regens" zu spüren.

Aus dieser Zeit stammt auch die Überlieferung, die erzählt, wie der Herrgott den Regen ins Marchfeld schickt. So läßt er, wenn es regnen soll, eine Schar Engel zu Gießkannen greifen, die dann das Wasser auf die Erde gießen. Weil sie aber das Wasser mit den schweren Kannen aus dem Garten holen müssen, der weit über den Wolken liegt, kommt es oft vor, dass sie müde werden, ehe sie das Marchfeld erreichen. Drum regnet' s hier gar so selten.

Quelle: Das Weinviertel in seinen Sagen, Thomas Hofmann, Weitra 2000, S. 246