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DER TEUFELSSTEIN

Links am Wege von Hardegg nach Frain, knapp vor dem Jagdschlößchen, das als Frainer Lusthaus bekannt ist , liegt heute noch ein großmächtiger Stein inmitten alter Eichen und Buchen.

Eines Nachts, es war gerade zwölf Uhr Mitternacht, kamen der Teufel und seine Großmutter des Wegs. Vollbepackt waren sie beide mit Geld und stritten schon lange, wer wohl den größeren Anteil davon haben sollte. Gerade auf jenen Stein mitten im Walde kamen sie zu, da krächzte des Teufels Großmutter listig: "Laß uns doch hier ein wenig verweilen und das Geld erst einmal zählen!" Dem Teufel schien das eigentlich richtig, und so setzten sich beide auf den Stein und begannen mit dem Zählen des Geldes. Es hatte den Anschein, als würden sie sidi nun wieder vertragen. Als aber der Teufel gewahrte, daß sich die Großmutter einen Teil des Geldes heimlich zustecken wollte, packte ihn ein gar fürchterlicher Zorn. Er rollte mit seinen roten Augen, daß die Funken sprühten, und stampfte mit seinem Hufe die Erde, daß sie bebte. Dann zerrte der Wutentbrannte die Großmutter vom Felsen und wälzte diesen über die Alte, sodaß sie jämmerlich eingeklemmt blieb. Den Teufel scherte ihr verzweifeltes Kreischen blutwenig. Nun nahm er das ganze Geld an sich und fuhr damit brüllend zur Hölle. Seit damals ward dieser Stein vom Volke nur mehr der Teufelsstein genannt. Und immer wenn sich der Tag des Teufelsstreites jährt, kann man weithin des Teufels Großmutter jammern hören, die noch immer eingeklemmt unter dem Stein liegen soll.

Seither waren viele Jahre vergangen. Zur Zeit der Rauhnächte mitten im Winter, stapfte ein altes Weib schwerfällig durch den Schnee von Frain nach Hardegg. Nur in Lumpen gekleidet ging die Alte daher, denn sie war sehr arm. In ihren steifgefrorenen Händen trug sie einen irdenen Napf, den sie geschenkt erhalten hatte. Wunderschön war der Wald vom Rauhreif überzuckert.

Die Zweige hingen tief von den Bäumen und ächzten im Winde unter der Last des hohen Schnees. Bitterkalt war es und es dunkelte auch schon. Da kam das Weibel bangen Herzens zum Teufelsstein. Und als es eben an dem unheimlichen Orte vorbeihuschen wollte, trat ihm ein fremder Herr mit sonderbar feurigem Aussehen in den Weg. Er fragte die Alte, ob sie denn nicht friere. Und als diese verängstigt bejahte, versprach der Teufel - denn niemand anderer war dieser Fremdling - sofort Abhilfe zu schaffen. Er kroch hinter den großen Stein und zauberte von dort glühende Holzkohlen hervor, die er dem furchtsamen Weib in den Krug leerte. Augenblicklich war es warm ringsherum und die Alte spannte ihre durchgefrorenen Hände um das wohlig warme Gefäß. Dem Teufel aber mußte sie versprechen, um Mitternacht wieder hierher zu kommen, denn nur dann könne er sie reich machen. Die Alte versprach alles, um nur rasch aus der Nähe des Unheimlichen zu gelangen und lief eilends Hardegg zu. Die Hitze im Topf wurde aber immer ärger. Als sogar dort, wo sie lief, der Schnee zu schmelzen begann, tat sie im Laufen einen Blick in den Krug. Da sah sie an Stelle der Holzkohle pures Gold schimmern!

Als sie dann daheim angelangt war, erzählte sie sogleich das unheimliche Erlebnis ihrem Manne, und auch er bestaunte die Goldstücke im irdenen Napf. Doch als Mitternacht nahte, bekam es die Alte mit der Angst zu tun, und sie kniete nieder und begann inbrünstig zu beten. Auf keinen Fall wollte sie zurück in den Wald, wie sie es dem Teufel versprochen hatte. Lieber wollte sie arm bleiben, als ihr Seelenheil verlieren. Da schlug die Turmuhr die zwölfte Stunde, und das Weib betete lauter und inniger. Als der letzte Glockenschlag verklungen war, barst das Gefäß mit lautem Knall. Doch nicht die Goldstücke, die die beiden Alten gesehen hatten, fielen da heraus, sondern bloß übelriechende Losung eines Ziegenbockes.

Hardegger Bürger hingegen, die oftmals in Frain gezecht und erst zu später Stunde den Heimweg gefunden hatten, wollen deutlich den Teufel gesehen haben, wie er auf dem Felsen sitzend noch immer mit seiner darunter liegenden Großmutter hadert. Gar manchem der nächtlichen Wanderer, die allzuviel Wein geladen hatten, ist er sogar eine lange Strecke des Wegs nachgelaufen und erst nach Anrufung aller Heiligen aus den Augen des Erschreckten, der keuchend seiner Behausung zustrebte, verschwunden. -

Und heute noch, wenn in einer schwülen Sommernacht kein Stern am Himmel zu sehen ist und die Leute auf dem Frainersteig hin oder herwärts wandern, dann stolpern sie oftmals im dunklen Wald über einen großen Stein, schlagen sich ihre Beine wund und glauben obendrein noch ein schadenfrohes Gelächter zu vernehmen. Dann wissen sie, daß sie der Gottseibeiuns zum Teufelstein gelockt hat, um mit ihnen seinen Schabernack zu treiben.


Quelle: Franz Bischof, Raimund Jordan, Sigrid Enzenhofer, Sagen und Legenden aus Hardegg, Hardegg 1978, Seite 21