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DAS SCHANZRIEDEL IM KREMSTALE

Das Schanzriedel im Kremstale ist ein Fundplatz von prähistorischen Dingen. Auf ihm sind Kulturversuche wiederholt gemacht worden; wegen der großen Trockenheit des Bodens und wegen Mangels an Licht und Luft sind sie aber stets mißlungen. An diese natürlichen Ursachen glauben aber die Leute nicht, sondern erzählen, daß der Platz verhext sei. Im Schwedenkriege sind Studenten und Kadetten dort verschanzt gewesen und haben sich im Innern des Berges verborgen, als die Feinde kamen. Der Berg ist eingestürzt und alle sind zugrunde gegangen. Noch hört man beim Heumacken auf der Waldwiese, wie im Berge gesungen, gefahren und Holz gemacht wird.

Der Student spielt in den Bauernkriegssagen eine große Rolle. Ein Student war der Anführer der Bauern vor Gmunden, wie die alten handschriftlichen Chroniken berichten. Dieser "konnte allerlei" und die Bauern siegten jedesmal, wenn sie ihm folgten. Die Studenten der vorliegenden Sage wären also Zauberer gewesen.

Am Wege zum Schanzkegel kommt man durch das Teufelstor. Dort treibt der Teufel zu gewissen Zeiten die Hexen zusammen. Ein Jäger, der nach Mitternacht auf diesem Wege herabkam, wurde allen Ernstes von einer Bäuerin gefragt, ob er nicht ihre Schwiegermutter dort gesehen habe, die im Jahre vorher gestorben war, und die allgemein als Hexe galt. Jenseits des Kremsflusses liegt ebenfalls auf einem Kamme eine Gneisfelsengruppe, welche als unheimlicher Ort gilt. Der Platz wird das heimliche Gericht genannt, und es sollen sich allerlei Sagen daran knüpfen.

Quelle: Nach Dellapina, Stein a. Donau, und Oberförster Sedlaczek: Franz Kraus, Wien: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 1, 1895, 181 f.
Aus: Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 31, Seite 23