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RÄUBERGESCHICHTEN

Einst sperrte ein eisernes Tor den Zugang zur Stadt vom Fugnitztal her. Heute stehen nur mehr die Eckpfeiler davon am Ortsende zu beiden Seiten der Straße, die nach Felling führt. Als mit dem Erstarken der staatlichen Ordnungsmacht das ritterliche Fehdewesen sein Ende nahm und auch feindliche Einfälle nicht mehr so zu befürchten waren, beschlossen die Hardegger Stadtväter, das ganz mit Eisen beschlagene und verzierte Stadttor zu veräußern.

Briefmarke 700 Jahre Stadt Hardegg
Briefmarke "700 Jahre Stadt Hardegg"
Republik Österreich, S 4.50, 1990
Sammlung Claudia Ruppitsch

Tatsächlich wollten es die Bürger von Frain erwerben. Bald war man handelseins geworden, und das Tor wurde nach Frain geschafft. Der Stadtrichter fuhr selber mit einigen seiner Ratsbürger dorthin, um auch gleich das Geld an Ort Und Stelle in Empfang zu nehmen. In Frain wurden die Hardegger nun auf das köstlichste bewirtet, und das Trinkgelage wollte schier kein Ende nehmen. Da die Hardegger Bürger den gastfreien Frainern nicht nachstehen wollten, luden sie diese gleichfalls ein zu Braten und Wein, Bier und Schnaps. Die ganze Nacht hatten sie durchgelumpt, und am Morgen mußten sie ernüchtert feststellen, daß sie den gesamten Erlös für das Tor verjubelt hatten. Wie die Hardegger dann daheim empfangen worden sind, das berichtet die Chronik freilich nicht ... Das Tor soll noch bis zum heutigen Tage das Frainer Schloß zieren. -

Den Torbogen in Hardegg, der stehengeblieben war, brachte der Räuber Waller zum Einsturz, als er darüber im Walde für sein Lagerfeuer einen Baum fällen wollte. So sind nur die beiden Pfeiler stehengeblieben bis zum heutigen Tage.

Waller hatte damals in der Hardegger Vorstadt ein Haus besessen. Er war aber in große Not geraten und glaubte, nur durch Unredlichkeit diese überwinden zu können. So wurde er zum Wilddieb, Geldfälscher und Brandstifter. Als man ihm auf seine Schliche kam, zündete er sein eigenes Haus an und flüchtete in den Wald. Oberhalb des Fugnitzbaches, beim zweiten Sauanger, fand er eine gegen jede Sicht geschützte Höhle, worin er sich verborgen hielt. Den Häschern konnte er immer wieder entkommen. Einmal hätten sie ihn beinahe ertappt. Doch konnte er sich im letzten Augenblick durch die hölzerne Hinterwand eines Abtritts, die er in Eile aufbrach, retten und entfliehen. Nur mit List konnte er gefangen und überwältigt werden, denn er war ein, starker und gar stattlicher Mann. Der Stadtrichter ließ Waller daher zu Ohren kommen, daß er für sein abgebranntes Haus eine Entschädigungssumme erhalten würde. Waller ging in die Falle, denn beim Betreten des Amtsraumes fielen Knechte über ihn her, banden ihn mit Stricken und führten ihn vor den Richter. Sein damaliges Versteck führt heute noch den Namen "Wallerhöhle".

Einem anderen Tagedieb und Leuteschinder diente das "G'mauerte Hüttl" als Unterschlupf, von wo aus er seine Räubereien unternahm. Es war damals nur ein ganz selten benutzter SchlechtwetterUnterschlupf für die Jäger gewesen. Die Streifzüge des Räubers führten ihn meist weitab von seinem heimatlichen Quartier, damit er dieses nicht selbst verrate. Sogar im "Langen Grund" war man vor ihm nicht mehr sicher. Und auf der Bärwies hatte er einen Hardegger Bürger gar erschlagen, der ihm die Geldkatze nicht gleich freiwillig überlassen wollte. Mit eingeschlagenem Schädel hat man den Armen dann tot aufgefunden. Kein Tuchmacher getraute sich von nun an mehr den Weg über das "Goldene Brückl" nach Heufurth hinaus. Und auch die Förster begannen immer mehr über den argen Wildfrevel zu klagen, den er stets dreister verübte. Aber keinem ging, er ins Garn, sosehr sie ihm auflauern mochten. Im Orte nämlich hatte er heimliche Helfer. Die flüsterten ihm insgeheim alle Pläne seiner Verfolger zu. Dafür teilte er seine Beute mit ihnen. Auch in der Pulverstampf gab es einen Gesellen, der es mit ihm hielt. Als es herauskam, daß der Bursche rundum gestohlene und geraubte Sachen verkaufte, leistete der Hehler einen Schwur, nie mit dem Verfemten gemeinsame Sache gemacht zu haben. Auf diese Weise wollte er den gefährlichen Gerüchten um ihn entgegenwirken. Eines Tages kam es im Vorstadtl zu einer fürchterlichen Explosion. Die Pulvermühle war in die Luft geflogen und hatte den meineidigen Gesellen in Stücke gerissen. Seine Hand aber, mit der er den falschen Schwur getan, war weit über den Berg in den Wald hineingeflogen. Dort wo man sie gefunden hatte, ließ einer ein rotes Kreuz aufrichten. Ein Hammerschmied war's, der ein Gelübde getan. Das Kreuz steht heute noch am Fußsteig nach Frain, nächst dem Fellinger Jägerhaus. Von dem Wegelagerer im G'mauerten Hütt'l, der niemals erkannt worden war, hat man seither nichts mehr gehört.

Der Räuber Grasl, der vor mehr als 150 Jahren vornehmlich die Gegend um Maria-Drei-Eichen unsicher machte, kam auf seinen Beutezügen sogar bis nach Znaim. Als Viehhändler verkleidet, wurde er jedoch an einer Narbe hinter dem Ohr erkannt und mußte fliehen. Selbstredend tauchte er auch in Hardegg mehrmals auf. Das erste Mal hatte er in der Mühle eingebrochen. Als er aber verfolgt wurde, rannte er bis zum Uhrmais, von wo aus er mit Pistolen herabschoß, um seine Verfolger abzuschütteln. Da das Hantieren mit Feuerwaffen damals aber noch nicht ganz ungefährlich war, soll es ihm hiebei den Zeigefinger der rechten Hand abgerissen haben. Ein anderes Mal gab er sich als Tuchhändler aus und plünderte in der Nacht den Tuchmacher Buxbaum aus, dem er sämtliche Tuchballen und Decken davontrug. Auch später noch verübte er Einbrüche in verschiedenen Hardegger Häusern und konnte regelmäßig mit seiner Beute ungeschoren verschwinden. Die geraubten Sachen hortete er in Verstecken bei Maria-Drei-Eichen und Drosendorf. Beraubt hat er aber nur die reichen Leute, den Armen hat er sogar Teile seiner Beute gegeben. In Mörtelsdorf konnte er endlich durch eine List gefangen und darauf im Jahre 1818 in Wien seiner Schandtaten wegen dem Henker übergeben werden.


Quelle: Franz Bischof, Raimund Jordan, Sigrid Enzenhofer, Sagen und Legenden aus Hardegg, Hardegg 1978, Seite 26