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Das Schwertkreuz im Strassertal

Schwertkreuz in Strass im Strassertal © Harald Hartmann

Das Schwertkreuz in Strass im Strassertal
© Harald Hartmann, Oktober 2008

Das Schwert- oder Gerichtskreuz ist sicherlich eines der ältesten datierten Flurkreuze Niederösterreichs. Es wurde als Erinnerung an die Ermordung von Paul Wasmann. Der ursprüngliche Standort war etwa 350 m weiter nördlich in einem Hohlweg. In den Jahren um 1920 stützte es in den Fahrweg. Hiebei wurde der Tabernakel beschädigt. Bis 1979 stand es ohne Tabernakel am alten Standplatz. 1979 wurde der Tabernakel von Josef Schreibbauer erneuert, restauriert und am gegenwärtigen Standort aufgestellt.

Es handelt sich hier um ein "echtes Marterl" am (vermutlichen) Ort einer Bluttat. Die im vorliegenden Fall funktionell besonders wichtige Inschrift lautet:

"Anno Domini MCCCCLXXXIXjar ist gestorben worden Paul Wasman am Sand Steffans abend dem Got gnedig sey ..., das hat... der Jorig Smoll..."

Die Datierung ist somit 1489! Die Formulierung "gestorben worden" deutet auf Mord hin. Die bildliche Auszier mit Schwert und Beilen könnte aber auch dazu verleiten, an eine "Falltor-Säule" zu denken. Diese Säulen gehören in den Bereich der Rechtsvolkskunde und waren immer an Ortseingängen zu finden. An diesen Stellen waren die Verkehrswege durch ein Falltor abgesperrt. Diese Vorrichtung war aber eher nicht wegen feindlicher Überfälle vorhanden, sondern wegen der Weidetiere. Beim Falltor war der Ortsbereich zu Ende und daher rechtsvolkskundlich bedeutsam. Daher lautet der Zweitname für den Bildstock Gerichtskreuz.

Quelle: Informationstafel neben dem Kreuz und Recherche H. Hartmann