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Die Erbauung der Wallfahrtskirche Maria-Seesal

Im Jahre 1863 hatte die Besitzerin von Schönteneben und Notschullehrerin in Klein Prolling (heute Waldamt-Schwarz Ois) Helene Wochner im Alter von 76 Jahren einen Traum, der ihr eine Kirche mit einem schönen Marienbild zeigte. Sie fand das Bild auch in der Krumpmühle und stellte es an der im Traum gesehenen steilen Berglehne auf. Bald wurde um das Bild eine Holzkapelle erbaut. Diese fand großen Zulauf, und so wurde an Stelle des Holzbaues im Jahre 1871 von einem Ybbsitzer Schmiedmeister eine kleine Steinkapelle gestiftet. Das vielbesuchte Kirchlein bekam den Namen Maria-Seesal. Die Nachkommen der Helene Wochner bemühten sich um die stete Vergrößerung des Baues, aber es spielten geschäftliche Gründe dabei eine große Rolle. Im Jahre 1906 wurde die große Steinkirche von Maria-Seesal eingeweiht. Leider hatte man es versäumt, mit der Ausarbeitung des Planes einen Sachverständigen zu betrauen, denn der durch einen Maurermeister ausgeführte Bau ist stillos und flüchtig und entspricht nicht einmal den bescheidensten Ansprüchen, die man an eine stimmungsvolle Kirche stellen kann. Ein Nachkomme der Gründerin geriet durch den Bau eines großen Gasthofes bei der Wallfahrtskirche derart in Schulden, daß er in die Schweiz fliehen mußte und viele Bauern und Geschäftsleute durch die nicht bezahlten Schulden im Betrage von 120.000 Kronen recht schwer getroffen wurden. Im Jahre 1910 übernahm das k. k. Blindeninstitut in Wien den ganzen Besitz und griindete eine Ferienkolonie für blinde Kinder. Zur Inneneinrichtung der Wallfahrtskirche Maria-Seesal spendete Sonntagberg den Hochaltar, Mariazell das Tabernakel und Gresten die Luster sowie die Statuen der Seitenaltäre. Wenn sich auch Maria­Seesal nicht zu einer vielbesuchten Wallfahrtskirche entwickelt hat, so ist das in der herrlichsten Umgebung gelegene Gotteshaus eine stille Andachtsstätte für die Bewohner der Umgebung. (Nach Dr. Meyer und Sattler.)

Quelle: Sagen aus dem Mostviertel, gesammelt von der Lehrerarbeitsgemeinschaft des Bezirkes Amstetten, Hrsg. Ferdinand Adl, Amstetten 1952, S. 44
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Norbert Steinwendner, Mai 2006.
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