SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Niederösterreich >> Mostviertel

   
 

Die Legende vom heiligen Hippolyt

Zur römischen Kaiserzeit lebte in Rom ein Offizier namens Hippolyt, dem die Bewachung eines Gefängnisses anvertraut war. Er war noch ein Heide, aber unter seinen Gefangenen war der heilige Laurentius, der um des christlichen Glaubens willen eingekerkert worden war. Ein blinder Mitgefangener erlangte durch das Gebet des hl. Laurentius das Augenlicht wieder, und dieser Vorfall machte auf Hippolyt einen so großen Eindruck, daß er sich bekehrte und getauft werden wollte. Da begann im Kerker eine Quelle zu fließen, und Laurentius taufte nicht nur Hippolyt, sondern noch 20 seiner Hausgenossen. Laurentius beschloß als glorreicher Märtyrer sein Leben auf einem glühenden Roste. Hippolyt besorgte Leinen und Spezereien für das Begräbniß, wobei ihm ein Priester behilflich war. Beide trugen frühmorgens die Leiche auf das Landgut einer Christin, um sie dort zur Grabesruhe zu bestatten. Der Priester las die Messe, betend und weinend scharten sich die Gläubigen um den Altar in jenen Tagen schwerer Verfolgung. Die Anwesenheit Hippolyts beim Gottesdienst der Christen wurde verraten, und er mußte vor den kaiserlichen Richterstuhl erscheinen. Dort bekannte er (sich) unerschrocken zur Lehre Christi. Die weitere Untersuchung ergab, daß auch seine Hausgenossen bereits der Religion des Kreuzes zugetan waren, sodaß diese ebenfalls sofort das Todesurteil vernehmen mußten. Sie wurden enthauptet, der hl. Hippolyt aber an den Hals wilder Rosse gebunden und zu Tode geschleift. (13. August). Die Leichen wurden insgesamt heimlich vom Priester neben dem Grabe des hl. Laurentius beerdigt. 500 Jahre später wurden die Gebeine des hl. Hippolyt durch die Zwillingsbrüder Adalbert und Ottokar nach dem Kloster Traisma gebracht, das von (nun) an St. Hippolyt hieß, Ypolit, Polid, Poliden.

Quelle: Volkssage nach Lehrer Pamberger um 1950 gesammelt, Email-Zusendung