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DER RÖMERSCHATZ BEIM HEIDENTORE

das Heidentor bei Petronell; Harald Hartmann

Das Heidentor bei Petronell
Die Reste eines Triumphbogens aus dem 4. Jhdt. sind das wohl bekannteste Beispiel römischer Architektur in Österreich.
© Harald Hartmann, Oktober 2006.

Eines Abends hütete ein Bursche aus Petronell mehrere Kühe beim Heidentore. Als er eben die Tiere heim treiben wollte, sah er neben dem Heidentore am Boden eine bläuliche Flamme leuchten. Der Bursche dachte: „Da ist gewiss ein Schatz vergraben! Den werde ich holen!“ Am nächsten Tage kam er mit Krampen und Schaufel und grub ein tiefes, weites Loch. Und er hatte Glück. Ein großer Steinsarg kam zum Vorschein, und der Bursche sagte voll Freude zu sich: „Den Goldschmuck, den ich da drin finde, verkaufe ich in Wien um teures Geld!“

Aber er hatte sich zu früh gefreut. Eben wollte er eine Ecke der mächtigen Deckenplatte abschlagen, da wurde er hart an der Schulter gefasst. Ein Mann in noch nie gesehener Kleidung stand vor ihm und rief: „Törichter, dieser Schatz ist nicht dir bestimmt! Schau hin auf deine Kühe!“ Der erschreckte Bursche fuhr in die Höhe und sah, wie seine Kühe in einem Weingarten Schaden anrichteten. Er sprang aus der Grube, um die Tiere hinwegzutreiben. Und dies war sein Glück. Der Fremde wuchs riesengroß empor und riss ein Stück des Heidentores herab. Mit furchtbarer Gewalt schleuderte er es an die Stelle, wo der Bursche gegraben hatte. Seit jener Zeit liegt neben den zwei Pfeilern des Heidentores ein großer, losgerissener Mauerblock.


Quelle: J. Wenzel, Jungborn - Heimatkundliche Lesestoffe für die 3. und 4. Volksschulklasse in Hainburg, Hainburg, 1945