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DIE OPFERÄHRE

In grauer Urzeit lebte im Marchfelde ein Bauer, der war so reich, daß er statt der Teppiche die Diele mit Korn bestreute und des Winters die Fensterspalten mit Butter verstrich. Den Notleidenden war er aber keineswegs hold, sondern jagte sie mit dem Ochsenziemer von der Türe. Das gefiel nun dem Lieben Gott gar nicht, und so sandte er denn eines Tages viele und viele Mäuse auf die Felder, welche Gras und Kraut vernichteten, so daß der protzige Bauer am Bettelstabe von dannen zog. Wie nun der Gottlose fort war, trugen die Äcker zweimal des Jahres reichliche .Früchte. Ein frommer Priester soll aber den Leuten gesagt haben, sie sollten alljährlich von der Erstlingsfrucht eine Ähre ins Feuer werfen zur steten Erinnerung an die Strafe des Himmels. Der Brauch besteht heute noch.


Quelle: Schukowitz, Mythen... des Marchfeldes: Zeitschrft für österreichische Volkskunde 2, 1896, 275f.;
Aus: Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 21, Seite 20f.