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DIE DAS NOTHEMD SPINNENDEN JUNGFRAUEN

Das Nothemd ist bei den Alten so hoch und wert gehalten worden, daß sie sich desselben im Krieg und Streit bedient haben, damit sie vor Stich-, Hieb- und Schußwunden, so ihnen zu solcher Zeit begegnen könnten, verwahrt und sicher sein möchten; daher es den Namen Nothemd, da sie es in der Not zu Schutz und Hilfe gebrauchten, erhalten hat. Dieses Nothemd ward auf folgende Weise bereitet und zugerichtet: In der Christnacht wurde von etlichen jungen Mägdlein, welche reine Jungfrauen waren, Leinengarn in des Teufels Namen gesponnen, gewoben und zu einem Hemde gemacht, welches auf der Brust zwei Häupter hatte, das eine auf der rechten Seite mit einem langen Barte gleich einem Helm, das andere auf der linken Seite wie des Königs Beelzebubs Kopf mit einer Krone; zu beiden Seiten war es mit einem Kreuze verwehrt. Die Länge des Hemdes war so verfertigt, daß es den Menschen mit den Ärmeln vom Halse an bedeckte.


Kommentar: (J. Gebhart.)
Quelle: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1924, Band II, S. 61