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DIE KLAGE

Die Klag ist eine Erscheinung, die niemand vergißt, dem sie begegnet. Wenn's manchmal um Mitternacht in einem Hause zu schnurren und zu winseln anfängt, als ob ein schwerer Körper über die Steintreppe geschleift würde, so daß man Ruck für Ruck hört und Geächze vernimmt, wie das eines Sterbenden, so ist das die Klag. Öffnet man die Stubentür und blickt hinab auf den finstern Hausflur, so sieht man's schwer fortrollen, wie einen unförmlichen Knäuel, blaue Funken sprühend, bald einer Kugel, bald einem Rumpf ähnlich, von Stufe zu Stufe emporhüpfen, wie eine feurige Kröte und hört dabei so widerlich schnurren und heulen, als ob ein Mensch "abgetan" würde. Schaudernd eilt man in seine Stube zurück und schließt schnell ab, damit die Klag ja nicht über die Schwelle kommt. Aber genug, wenn sie im Hause sich hat vernehmen lassen; gewöhnlich hat's einen Todesfall zu bedeuten oder mindestens einen Unfall.


Kommentar: (Vernaleken).
Quelle: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1924, Band II, S. 24