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DER HETSCHERLBERG

Wenn ich imstande wäre, diesen Menschen auf den "Hetscherlberg" zu wünschen, so würde ich es gern tun! So hört man viele Menschen ausrufen, wenn sie im Zorne sich eines Feindes entledigen wollen, ohne es jedoch zu können. Fragt man einen von ihnen, warum er seinen Feind auf dem Hetscherlberg haben wolle, so antwortet er: Wenn einmal dort einer ist, so kommt er gewiß nicht wieder, um mir zu schaden oder um mich zu ärgern; denn der Hetscherlberg ist ein Berg, auf dem ein großer Teich ist. In diesem Teiche sind sehr viele Fische, die lauter verbannte Geister sind. Der Hetscherlberg, auf den die Geister gebannt sind, ist nach der Volksmeinung ganz mit Dornengesträuchen bewachsen. Auf seinem Gipfel befindet sich ein Teich, in dem die Geister in Gestalt von Fischen verweilen. Dort müssen sie eine bestimmte Zeit bleiben, dann aber sind sie wieder frei. Wann aber diese Zeit aus ist, das weiß niemand. Auch der Ort ist unbekannt, wo sich dieser Berg befinden soll. Nach der Erzählung eines Bauern sind die Geister darum in Fische verwandelt, damit es ihnen unmöglich sei, den Berg zu verlassen. Als Fische bedürfen sie des Wassers und da kein Bach sich dort befindet, so können sie nicht herab. Diese Fische schwimmen immer an der Oberfläche des Wassers und schnappen beständig nach Luft. Dabei sind sie so zahm, daß vorbeigehende Menschen sie mitgroßer Leichtigkeit fangen können. Wanderer haben dort schon einige gefangen und doch weiß man nicht, wo der Berg eigentlich liegt.


Kommentar: (Vernaleken.)
Quelle: Carl Calliano, Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1924, Band II, S. 17